C6 MAGAZIN
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MENSCHENRECHTE

08.03.2009

Internationaler Frauentag 2009: Aktionen gegen Diskrimierung von Frauen und Mädchen

Mit ganz anderen Problemen sehen sich Frauen in einigen afrikanischen Ländern, in denen Krieg herrscht, konfrontiert. Laut einer vor einigen Tagen von Unicef-Österreich veröffentlichten Erklärung werden Frauen in der Demokratischen Republik Kongo seit über einem Jahrzehnt "systematisch vergewaltigt, gefoltert, verstümmelt". Vergewaltigungen gelten als Mittel des Krieges um den Gegner zu zermürben. Unicef-Österreich hat deshalb eine Briefkampagne ins Leben gerufen. Darin wird die Forderung erhoben, die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Die gesammelten Unterschriften sollen dem kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila übermittelt werden.

Fortschritte beim Zugang von Mädchen zur Bildung

Fortschritte auf dem Weg zur Teilhabe von Frauen und Mädchen am gesellschaftlichen Leben sind insbesondere im Bereich der Bildung zu erkennen. Nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, UNICEF, haben Mädchen bei der Bildung weltweit aufgeholt. Auf "100 Jungen, die zur Schule gehen", kommen laut UNICEF "inzwischen 97 eingeschulte Mädchen". Weltweit gingen 101 Millionen Kinder im Grundschulalter nicht zur Schule, darunter "53 Millionen Mädchen und 48 Millionen Jungen". Auch in den ärmsten Ländern der Welt sei durch gezielte Kampagnen zur Mädchenbildung die Zahl der Mädchen in Bildungseinrichtungen gewachsen. Inzwischen gingen über 90 Prozent der Mädchen zur Schule. Vor 30 Jahren lag die Einschulungsrate von Mädchen UNICEF zufolge noch bei nur 52 Prozent. Stark benachteiligt sind Mädchen noch in West- und Zentralafrika (Mali, Niger) im mittleren Osten (Afghanistan, Pakistan) und in Südasien: "Über 23 Millionen Mädchen im Grundschulalter besuchen dort keine Schule - fünf Millionen mehr als Jungen", heißt es in dem Bericht. Zwei Drittel der weltweit 770 Millionen Analphabeten seien Mädchen und Frauen.

Gewalt gegen Mädchen: Genitalverstümmelung

Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März ruft die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes zu Protestaktionen gegen Genitalverstümmelung in Sierra Leone auf. Am 6. Februar 2009 waren in dem westafrikanischen Land vier Journalistinnen verschleppt worden, die über das Thema Genitalverstümmelung berichtet hatten. Laut Terre des Femmes wurde eine der Journalistinnen "gedemütigt, bedroht und gezwungen, nackt durch die Straßen der Stadt Kenema zu laufen". Die Polizei schritt nur zögerlich gegen die Verschleppungen ein, die von Anhängerinnen des Bundu-Geheimbundes ausgeübt worden waren. In dem Land sind laut UNICEF-Angaben 90 Prozent der Frauen an ihren Genitalien verstümmelt. Es handelt sich jedoch um ein globales Problem. Terre des Femmes rechnet vor, dass weltweit alle 11 Sekunden ein Mädchen an ihren Genitalien beschnitten werde. Weltweit sind 150 Millionen Frauen und Mädchen Opfer dieser Form von Gewalt. In Deutschland sollen nach WHO-Schätzungen 21.000 Frauen leben, die Opfer der Beschneidung waren. Die meisten Opfer gibt es in Afrika, wo WHO-Schätzungen zufolge 130 Millionen Frauen leben, deren Genitalien beschnitten wurden.

Repressalien gegen Journalistinnen

Reporter ohne Grenzen (ROG) berichtet, Frauen, die als Journalistinnen tätig seien, insbesondere, wenn sie investigativ arbeiteten, sähen sich in vielen Ländern starken Repressalien ausgesetzt. Das gelte zum Beispiel für die Arbeit von Journalistinnen, wenn diese "Kritik an Behörden, Beamten und Politikern üben oder über Tabuthemen wie die Stellung der Frau im Islam berichten", so ROG. In mehreren islamischen Ländern würden Frauen daran gehindert, ihren Beruf auszuüben. ROG nennt Afghanistan, Pakistan und den Iran als Beispiele. Aus Angst vor Verfolgung und gesellschaftlicher Ächtung berichteten Journalistinnen in solchen Ländern nur selten über Themen wie gesellschaftliche Diskriminierung von Frauen.

China und Indien

In China oder Indien ist bereits die Wahrscheinlichkeit als Frau geboren zu werden, wesentlich geringer, weil männliche Nachkommen sich einer größeren gesellschaftlichen Wertschätzung erfreuen. In diesen Ländern werden weibliche Föten gezielt abgetötet, darauf weist die Entwicklungssprecherin der Sozialdemokratischen Partei Österreichs, (SPÖ), Petra Bayr hin. Mädchen gelten in Indien allgemein als eine "Belastung" für die Familie, weil ihre Verheiratung eine Mitgift erfordert. Auch in wirtschaftlicher, sozialer and religiöser Hinsicht hätten sie einen geringeren "Wert" als Söhne, schreibt die BBC in einem Beitrag. Das hängt auch mit bestimmten religiösen Zeremonien zusammen, die traditionell von männlichen Familienmitgliedern ausgeführt würden. Jungen gelten auch deshalb als wertvoller, weil sie den Familiennamen weitertragen. Sie gelten auch als Ernährer der Familie und stellten eine Altersvorsorge für die Eltern dar. Die "Rechnung" sieht so aus: eine Abtreibung kostet umgerechnet zwölf US-Dollar, die Mitgift für eine Tochter belastet das Familienbudget mit 5.000 US-Dollar. In einigen Landesteilen Indiens gibt es bereits eine Frauenknappheit, so dass dem Defizit bereits durch einen lebhaften "Frauenhandel" abgeholfen wird, berichtet BBC.

Laut einem indischen Regierungszensus aus dem Jahr 2001 fehlen Indien 35 Millionen Frauen. Auf zehn Männer kommen nur noch neun Frauen. Die Verbreitung der Ultraschalltechnik eröffnete der Mädchen diskriminierenden Familienplanung ganz neue Möglichkeiten. Eine kanadische Studie aus dem Jahr 1997 kam zu einem vergleichbaren Ergebnis. Einer der Autoren der Studie fasste die Ergebnisse mit den Worten zusammen: "Wir gehen davon aus, dass durch pränatale Bestimmung des Geschlechts und selektive Abtreibung rund 500.000 Mädchen im Jahr fehlen." Die Behörden versuchen dieser Form der geschlechtlichen Diskriminierung entgegenzuwirken. Bereits 1994 wurde die pränatale Diagnose des Geschlechts unter Strafe gestellt. Bisher ohne greifbaren Erfolg. Die Weitergabe der sensiblen Information lassen sich viele Ärzte offenbar "schwarz" bezahlen.

Die offizielle chinesische Nachrichtenagentur Xinhua weist darauf hin, dass das Verhältnis von Jungen zu Mädchen in China bei den Neugeborenen sich wie 118 zu 100 verhalte, also wesentlich mehr Jungen als Mädchen geboren würden. Dies wird darauf zurückgeführt, dass Mädchen häufiger als Jungen abgetrieben würden.

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