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RECHT

21.09.2010

Amoklauf in Lörrach: Ermittungsstand vom 21. September 2010

Gegen 18.30 Uhr kam es am Sonntag, den 19. September 2010 im Lörracher St.-Elisabethen-Krankenhaus zu einem Amoklauf, bei der die Amokläuferin und drei weitere Menschen getötet wurden. Die Hintergründe der Tat sind teilweise noch unklar. Die Ermittlungen laufen unter Hochdruck weiter.

Tathergang

In der Nähe des katholischen St.-Elisabethen-Krankenhauses kam es etwa gegen 18 Uhr in einem Wohnhaus in der Markus-Pflüger-Straße 22 zu einer durch Brandbeschleunigung ausgelösten Detonation. Ein Teil der Häuserwand zur Hofseite wurde heraus gesprengt; das Haus stand darauf hin in Flammen. Die Täterin (41) hatte dort zuvor ihren Ex-Partner (44) erschossen und das fünfjährige gemeinsame Kind getötet. Laut dem Lörracher Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer fand man am Jungen "Einwirkungen stumpfer Gewalt". Er wurde vermutlich bewusstlos geschlagen und erstickte durch eine übergestülpte Plastiktüte; es gab keine Schussverletzungen. Der Ehemann wurde durch zwei Schüsse in Hals und Kopf getötet.

Anschließend lief die mit einer kleinkalibrige Sportwaffe des Typs Walther GSP (Kaliber .22lfb), einer Munitionsmenge von mindestens 300 Schuss und einem Messer bewaffnete Täterin in das Krankenhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite und schoss auf dem Weg dahin mehrere Passanten und ein vorbeifahrendes Auto an. Zwei Passanten wurden durch die Schüsse verletzt. Einen traf sie am Rücken, einen anderen streifte eine Kugel am Kopf. Beide Opfer standen nicht in Lebensgefahr. Im Krankenhaus angekommen suchte sie zielstrebig die gynäkologische Abteilung auf und tötete durch mehrfache Messerstiche und drei Kopfschüsse einen 56 Jahre alten Krankenpfleger. Die Schießerei behinderte die unterdessen vor Ort eingetroffene Feuerwehr.

Das ebenfalls eingetroffene Polizeikommando stürmte das Krankenhaus und forderte die Täterin zur Aufgabe auf. Als sie dies verneinte und auf eine Türe eines Krankenzimmers feuerte, kam sie im Feuergefecht durch 17 Einschüsse um. Im Krankenhausflur fanden die Spurensicherung nach dem Einsatz 100 verschossene Patronenhülsen von der Täterin.

Hintergründe und Folgen

Der Vorfall forderte, zusammen mit der Täterin, insgesamt vier Todesopfer und 18 Verletzte, teilweise aufgrund von Rauchvergiftung durch den Wohnungsbrand.

Die Täterin und ihr Ehemann lebten seit Juni 2010 getrennt. Der gemeinsame Sohn war über das Wochenende bei der Mutter zu Besuch und sollte am Sonntagabend vom Vater abgeholt werden. Möglicherweise handelt es sich bei der Tat um ein Familiendrama infolge eines Sorgerechtsstreits. Die Täterin war Rechtsanwältin und besaß als ehemalige Sportschützin mehrere damals legale Waffen. Nach Angaben des Deutschen Schützenbundes war die Täterin bereits seit 1996 nicht mehr Mitglied im Schützenverein. Nach dem seit 2003 geltenden Recht hätte sie ihre Waffen abgeben müssen. Warum die Frau anschließend ins Krankenhaus lief, bleibt weiter unklar. Fest steht, dass sie im April 2004 im Elisabethenkrankenhaus eine Fehlgeburt in der 16. Woche erlitten hatte. Einen Abschiedsbrief fand man bisher nicht.

Die Tat löste einen Großeinsatz von 150 Polizeibeamten, 120 Feuerwehrleuten, 100 Kräften des DRK und des THW aus ganz Südbaden aus. Zwischen der Explosion und dem letzten Schuss vergingen knapp 40 Minuten. Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) lobte die hohe "Professionalität" des Einsatzes. Offenbar wurden seit dem Notfall- und Einsatzpläne für derartige Vorfälle verschärft. Die Polizei ist angewiesen, im Falle eines Amoklaufs den Tatort nach Möglichkeit sofort zu stürmen, den Täter zur Aufgabe zu zwingen und ihn im Verweigerungsfall unschädlich zu machen.

Der erschossene Pfleger hinterlässt eine Frau und drei Kinder. Für seine Hinterbliebenen ruft die Stadt Lörrach zu Spenden auf. Den Anwohnern der verbrannten Wohnungen stellt die Stadt übergangsweise Ersatzwohnungen und Zimmer in Hotels zur Verfügung.

Der Amoklauf löste erneut eine bundesweite Diskussion über die Verschärfung des Waffenrechts in Deutschland aus.

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