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POLITIK

23.05.2010

Heftige Vorwürfe an Nordkorea wegen Torpedoangriff

Nachdem Experten zu der Ansicht gekommen sind, dass ein Torpedo am 26. März das südkoreanische Kriegsschiff "Cheonan" versenkte, ist der Ton zwischen Nord- und Südkorea rauer geworden. Eine Kommission mit Fachleuten aus Australien, Schweden, Südkorea, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten hatte Trümmerteile untersucht. Demnach habe ein 250 kg schwerer Torpedo die Korvette versenkt. Dabei wurden 46 südkoreanische Seeleute getötet.

In dem Untersuchungsbericht heißt es, die Beweise gegen Nordkorea seien "überwältigend" und die gefundenen Torpedoreste würden "perfekt" zu einer nordkoreanischen Bauart passen. Das von den Vereinigten Staaten geführte UN-Kommando, das die Grenze zwischen Nord- und Südkorea in der Demilitarisierten Zone (DMZ) am 38. Breitengrad sichert, hat inzwischen eine eigene Untersuchung des Vorfalls angekündigt. Der UN-Mission gehören außer Südkorea und den Vereinigten Staaten auch Australien, Dänemark, Frankreich, Kanada, Neuseeland, die Türkei und das Vereinigte Königreich an. Zudem sollen auch die neutralen Staaten Schweden und Schweiz an der Untersuchung beteiligt werden.

Nach einem Treffen von Sicherheitskreisen wurde aus Seoul eine umsichtige Reaktion angekündigt. Südkoreas Präsident Lee Myung-bak bezeichnete den Zwischenfall als "überraschenden Militärangriff aus Nordkorea, während die Südkoreaner spät in der Nacht schliefen". Verteidigungsminister Kim Tae-young wurde auf einer Pressekonferenz deutlicher; nach seinen Worten müsse der Norden für die Tat büßen. Die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea sind seit dem Amtsantritt Lees im Februar 2008 schlechter geworden. Er tritt für einen härteren Kurs gegenüber dem Norden ein. Somit wird die derzeitige Krise als Testfall seiner Politik gegenüber dem kommunistischen Nachbar im Norden angesehen.

Nordkorea verwahrte sich gegen die Anschuldigung scharf und bezeichnete den Bericht als "Fälschung". Pjöngjang kündigte einen "Krieg im großen Stil" an, falls die Vereinten Nationen aufgrund des Zwischenfalls neue Sanktionen gegen Nordkorea beschlössen. Nach US-Generalstabschef Mike Mullen befinden sich die in Südkorea stationierten Truppen derzeit nicht in erhöhter Bereitschaft.

Das deutsche Auswärtige Amt bezeichnete den Zwischenfall als "schwerwiegenden Bruch geltenden internationalen Rechts". Der Sprecher des US-Außenministeriums, Philip Crowley, erklärte in Washington, D.C., der Zwischenfall werde "definitiv Konsequenzen" haben. Auch US-Außenministerin Hillary Clinton verurteilte den Torpedoangriff energisch. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon nannte den Untersuchungsbericht "zutiefst beunruhigend". Die chinesische Diplomatie fordert zu "Zurückhaltung" auf. Die Volksrepublik China, die mögliche Sanktionen im UN-Sicherheitsrat durch ein Veto blockieren kann, ist ein wichtiger Lieferant Nordkoreas für Treibstoff und Lebensmittel. Die südkoreanische Regierung verhandelt seit dem Zwischenfall mit China, Japan, Russland und den USA, um Sanktionen gegen Nordkorea im Sicherheitsrat durchzusetzen.

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