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NATURKATASTROPHEN

14.01.2010

Tausende Tote nach verheerendem Erdbeben in Haiti

Auf der Karibikinsel Hispaniola werden nach dem schwersten Erdbeben in der Region seit über 200 Jahren, das sich am Dienstagnachmittag ereignete, tausende Tote befürchtet. Das Rote Kreuz Haitis schätzt, dass die Zahl der Toten auf bis zu 50.000 ansteigen könnte. Etwa drei Millionen Menschen sind verletzt oder obdachlos. Das Erdbeben ereignete sich laut dem Geologischen Dienst der Vereinigten Staaten (USGS) am Dienstag um 16:53 Uhr Ortszeit, (22:53 Uhr MEZ) 15 Kilometer südwestlich der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince mit einer Stärke von 7,0 auf der Momenten-Magnituden-Skala in einer Tiefe von etwa 10 Kilometern. In der Hauptstadt Haitis wurden neben den Elendsvierteln auch der Präsidentenpalast sowie das Gebäude der UN-Vertretung dem Erdboden gleichgemacht. Es folgten mehrere Nachbeben mit einer Stärke von 5,9. Für die gesamte Inselregion Kuba, Haiti, die Bahamas und die Domikanische Republik wurde vorsorglich höchster Tsunami-Alarm ausgerufen, nach einigen Stunden aber wieder aufgehoben. Unter den Opfern sind auch Mitglieder der UN-Friedensmission MINUSTAH aus Brasilien, China und Jordanien. Am Abend des 13. Januars wurden noch viele Mitglieder der UN-Mission vermisst, darunter auch UN-Botschafter in Haiti, der Tunesier Hédi Annabi. René Préval, der Präsident des Staates im Westen der Insel Hispaniola sagte vor der Presse, Annabi sei tot, doch UN-Pressesprecher Nicholas Birnback erklärte, den Tod Annabis bislang nicht bestätigen zu können. Préval selbst überlebte die Zerstörung seines Amtssitzes.

Der Botschafter des Landes in den USA rief die Weltgemeinschaft zur Hilfe auf. Fast sofort setzte die Arbeit der vor Ort anwesenden Hilfsorganisationen ein. "Ärzte ohne Grenzen" sowie das Internationale Rote Kreuz kündigten an, die Zahl der Helfer in der Region zu erhöhen. Gestern Nachmittag machte sich ein vierköpfiges Erkundungsteam des deutschen Technischen Hilfswerks in Richtung Port-au-Prince auf. Das Team soll die Arbeit der deutschen Botschaft vor Ort unterstützen. Ein Einsatz der THW-Schnell-Einsatz-Einheit-Bergung-Ausland (SEEWA) ist in Vorbereitung. Diese Einsatzeinheit verfügt über spezielle Fähigkeiten der Trinkwasseraufbereitung und der Instandsetzung zerstörter Wasserversorgungssysteme. Mehrere Regierungen sagten rasche logistische Unterstützung bei der Hilfe für die Bevölkerung zu. Mehrere Helfer kleiner und mittlerer Hilfsorganisationen sind im benachbarten Santo Domingo (Dominikanische Republik) nach Angaben der Tagesthemen gestern am späten Abend eingetroffen. Sie wollen sich in der Nacht zur Grenze aufmachen und versuchen, ins Krisengebiet und damit zu den in Not geratenen Erdbebenopfern zu gelangen.

In dem Inselstaat Haiti reiben zwei tektonische Platten aneinander: die Karibische Platte und die Nordamerikanische Platte. Erstere bewegt sich laut USGS-Angaben mit einer Geschwindigkeit von 20 Millimetern pro Jahr in östlicher Richtung gegenüber der Nordamerikanischen Platte, die in westlicher Richtung wandert. Dabei subduziert die Karibische Platte unter die Nordamerikanische. Durch Erdfalten baut sich ein Kompessionsdruck in den auseinanderliegenden Platten auf, der sich bisweilen schlagartig entlädt. Weitere Erdfalten tragen zu den seismischen Aktivitäten in der Region bei. Außerdem liegt Haiti auf dem Pazifischen Feuerring, wodurch die Situation weiter eskaliert. Das Land wird zudem regelmäßig von Überschwemmungen heimgesucht; auch treten häufig Wirbelstürme in der Region auf. All dies ist nach Angaben der Tagesthemen ein Ergebnis des Raubbaus an der Natur, vornehmlich des Abholzens der Regenwälder zur Befriedigung des Konsumverhaltens europäischer Nationen.

Haiti gilt als das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Es ist flächenmäßig so groß wie das Saarland, aber proportional überbevölkert. Das Land steht in der Blüte von Korruption und Amtsmissbrauch und gilt außerdem als das Mekka des Drogenhandels.

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