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THAILAND

12.04.2010

Tote und Verletzte bei Zusammenstößen in Bangkok

Die Lage in der thailändischen Hauptstadt ist eskaliert. Nachdem die thailändische Regierung zehntausende von Soldaten in die Stadt beordert hatte, wurden bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und den als "Rothemden" bezeichneten Oppositionellen am Samstag, den 10. April, mindestens 21 Personen getötet. Dabei wurden über 800 Personen verletzt, rund 200 von ihnen sollen Soldaten sein. Unter den Getöteten sind 16 Demonstranten, vier Polizisten und ein japanischer Kameramann, der für die Nachrichtenagentur Reuters vor Ort war. Bei den Auseinandersetzungen wurden erneut auch Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt, außerdem fielen Schüsse. Die thailändische Regierung wies jedoch zurück, dass Regierungstruppen mit scharfer Munition auf die Demonstranten geschossen hätten.

Es besteht Unklarheit, was die Eskalation auslöste. Der irische Staatsbürger Tony Doohan berichtete: "Ich sah Rothemden mit einem Gewehr, das sie von den Polizisten gestohlen haben müssen. Sie hatten alle Prügel und warfen Glasflaschen... eigentlich alles, was sie finden konnten." Manche Beobachter befürchteten, dass sich bewaffnete Provokateure unter die Rothemden gemischt hatten. Sowohl die Regierung als auch die Opposition versuchen zu vermeiden, dass die Situation vollständig außer Kontrolle gerät. Samstagnacht war es die Regierung, die den Rückzug befohlen hatte, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. In der Nacht hatte sich die Lage dann zwar beruhigt, die Demonstranten behielten jedoch die Kontrolle über das Geschäftszentrum Ratchaprasong und die Phan-Fa-Brücke und am Sonntag, dem 11. April, trugen viele Demonstranten Bilder der Erschossenen.

Weng Tojirakorn, der Anführer der National United Front of Democracy Against Dictatorship (UDD), erklärte gegenüber der Tageszeitung The Australian, dass das Vorgehen der Sicherheitskräfte eine Verhandlungslösung zunichte gemacht habe und dass nunmehr eine Auflösung des Parlaments und Neuwahlen die einzige akzeptable Lösung der Krise seien. "Wir werden hier bleiben, aber wir werden mehr und stärker werden", kündigte Weng an.

Unterdessen wirkte sich die Situation auch auf den Tourismus aus. Die Regierungen von 43 Staaten gaben Reisewarnungen aus. Allein China hat rund 100 Charterflüge gestrichen, die zu dem diese Woche stattfindenden thailändischen Neujahrsfest Songkran Gäste in die Stadt bringen sollten. Nach Angaben des Einzelhandelsverbandes verzeichneten die Geschäfte in dem von den Rothemden besetzten Stadtviertel seit der Ausrufung des Ausnahmezustandes bereits Umsatzeinbußen von über einer Milliarde Baht (rund 23 Millionen Euro). Einige der Festlichkeiten in der Khaosan Road wurden abgesagt. Dort wanderten Rucksacktouristen umher und besichtigten Einschusslöcher in Häuserwänden, Granatsplitter und Blutflecken auf dem Boden.

Die neunzehnjährige Britin Sarah Covlin berichtete, dass viele Touristen ihre Sachen packen, um die Stadt zu verlassen. "Es hat uns schwer erschüttert. Wir brauchten Valium um schlafen zu können." Flavia Kupka, eine Touristin aus Neuseeland sagte, sie werde Bangkok verlassen und nicht wiederkommen. Jaringa Jaiya, die an der Rezeption des Hotels Dang Derm in der Khaosan Road arbeitet, sagte, dass viele Gäste nach dem Gewaltausbruch abgereist seien. Bereits Ende 2008, waren die beiden Flughäfen Bangkoks von "Gelbhemden" für neun Tage besetzt worden waren - also von Demonstranten, die die damalige Regierung der Thaksin-Nachfolgepartei bekämpften. Damals konnten viele Touristen die Stadt nicht verlassen, dies hatte ebenfalls negative Auswirkungen auf den Fremdenverkehr gehabt.

Doch nicht alle Touristen fühlten sich in Gefahr, berichtete Agence France-Presse. So sagte die Französin Eva Minassian, dass beide Seiten die Touristen beschützten und dass sie sich nicht wirklich in Gefahr fühlte. "Uns wurde gesagt, dass sie keine Touristen verletzen wollen, weil sie vom Tourismus leben", meinte die 19-jährige Charlotte Stage aus Dänemark.

Die Vereinigten Staaten und Australien haben beide Seiten aufgefordert, Zurückhaltung zu üben und eine Verhandlungslösung zu finden.

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