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POLITIK

18.09.2009

Im Norden des Jemen sterben zahlreiche Menschen bei einem Luftangriff

Bei einem Luftangriff auf ein improvisiertes Flüchtlingslager sind am Mittwoch, den 16. September über 80 Menschen gestorben. Dies geht aus einer Pressemitteilung der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hervor, deren Darstellung auf Augenzeugenberichten beruht. Unter den Opfern sollen sich mehrheitlich Frauen, Kinder und ältere Menschen befinden.

Im HRW-Bericht wird ein Augenzeuge zitiert. Seiner Darstellung zufolge ereignete sich der Vorfall in 'Adi, östlich der Stadt Harf Sufyan, die im Gouvernement Amran liegt. Jemenitische Militärflugzeuge hätten am Morgen des 16. September vier Angriffe geflogen. Dabei hätten sie ohne Vorwarnung eine Gruppe von Flüchtlingen bombardiert, die sich nahe einer Schule aufgehalten hätten. Laut diesem Zeugen hat es zuvor keine bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Rebellen und Regierungstruppen gegeben. Die Gegend liege aber nahe einer Straße, die häufig von schiitischen Huthi-Rebellen passiert würde. Auch habe es in der Vergangenheit in unmittelbarer Nähe Kämpfe gegeben. Einige der Menschen, gegen die sich der Angriff gerichtet habe, hätten Maschinengewehre getragen, was aber dem Zeugen zufolge üblich für Stammesangehörige im Jemen ist. Insgesamt kamen mindestens 87 Menschen bei diesem Luftangriff ums Leben, 120 Menschen sollen verletzt worden sein. Joe Stork von HRW fordert von der jemenitischen Regierung eine Untersuchung des Vorfalls, bei dem es sich seiner Meinung nach um einen "entsetzlichen Angriff auf Zivilisten" gehandelt haben könne.

Das Militär hat inzwischen eine Untersuchung angekündigt. Die Regierung brachte eine Darstellung in Umlauf, die den Angaben der Menschenrechtsorganisation widerspricht. So hätten Rebellen durch eine Straßenblockade Zivilisten in das Konfliktgebiet eingeschlossen. Außerdem habe das Militär darauf geachtet, Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden. Vertreter der jemenitischen Armee werfen den Rebellen vor, Zivilisten als menschliche Schutzschilder zu missbrauchen.

Der Luftangriff scheint im Zusammenhang mit einem bewaffneten Konflikt im Nordjemen zu stehen. Dieser Konflikt zwischen den Huthi-Rebellen und der Armee ist Mitte August bereits zum sechsten Mal neu aufgeflammt. 150.000 Zivilisten befinden sich seitdem auf der Flucht. Laut UNICEF-Regionaldirektorin Siegrid Kaag können diese Flüchtlinge zurzeit nicht auf Hilfe rechnen. Besonders dramatisch scheint die Situation in Saada zu sein. Nach UNHCR-Angaben sind 35.000 Menschen in der Stadt eingeschlossen. Außerdem gibt es dort seit einem Monat keine Elektrizität und fließendes Wasser mehr.

Angeführt werden die Rebellen von Hussein al Huthi, einem ehemaligen Parlamentsabgeordneten. Er ist 1997 zurückgetreten. Damals hatte er die Korruption und Rückständigkeit in der nordjemenitischen Provinz Sa'da angeprangert. Außerdem hatte er laut "tagesschau.de" kritisiert, dass sein schiitischer Stamm diskriminiert werde. Laut einem Artikel der "New York Times" hat sich al Huthi gestern in einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gewandt. Im Brief habe sich der Rebellenführer über die jemenitische Regierung beschwert. Sie trage aus seiner Sicht zu wenig zum Schutz der Zivilbevölkerung bei. Im selben Schreiben fordert al Huthi die Schaffung sicherer Korridore für Zivilisten durch die Vereinten Nationen und einen bedingungslosen Waffenstillstand, der von internationalen Beobachtern überwacht werden soll.

Die genauen Hintergründe des Konfliktes sind komplex. Die Regierung wirft den Rebellen vor, eine traditionelle Zaiditen-Regierung installieren zu wollen. Bis zu einer republikanischen Revolution im Jahr 1962 wurde der Jemen über lange Zeit auf diese Weise regiert. Die Rebellen bestreiten ihrerseits diesen Vorwurf, beharren aber auf der Forderung nach mehr Autonomie und Respekt. Laut "tagesschau.de" gehören auch der Abbruch der Beziehungen zu den USA, Unterricht in der Zaidia-Konfession und politische Posten für Huthis zu den Forderungen der Rebellen. Die Regierung beschuldigt die Huthi-Rebellen darüber hinaus immer wieder, Gelder aus dem Iran zu erhalten, was bisher nicht bestätigt werden konnte. Im Raum steht eine indirekte Unterstützung durch die libanesische Hisbollah, welche möglicherweise an der militärischen Ausbildung der Huthi-Rebellen beteiligt ist.

Neben dem Konflikt im Norden wird der Jemen von Auseinandersetzungen im Süden erschüttert. Dort kämpft eine separatistische Bewegung gegen Truppen des jemenitischen Staates. Auch al-Qaida-Gruppen gewinnen Medienberichten zufolge an Einfluss im Jemen, insbesondere unter der Stammesbevölkerung östlich der Hauptstadt Sanaa. Al-Qaida wird für mehrere tödliche Anschläge im Jemen verantwortlich gemacht. Der Jemen gilt inzwischen als eine Art rechtsfreier Raum, den al-Qaida-Kämpfer aus dem Nachbarland Saudi-Arabien als Rückzugsraum nutzen.

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