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STADTJUBILäUM 24.5.2005

Las Vegas - die Macht der Sünde

In den 50er Jahren bekam man ein Hotelzimmer in Las Vegas für etwa drei bis acht Dollar pro Nacht. Heute kann man locker das Fünfzigfache zahlen. Natürlich gibt es immer noch kleinere, günstigere Hotels, die großen übertreffen sich jedoch immer wieder mit neuen Attraktionen und Ausstattungen, was dafür sorgt, dass die Preise steigen. Und dennoch wollen es sich bis zu 40 Millionen Menschen im Jahr nicht nehmen lassen, wenigstens eine Nacht in der Stadt der Sünde verbracht zu haben. Las Vegas zieht eben alle in seinen Bann - und wer einmal dort war, wird begeistert sein...
Ganz egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit man ein Casino betritt - der Spielrausch lässt sich immerzu  beobachten
© KARSTEN J. KLEE
Ganz egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit man ein Casino betritt - der Spielrausch lässt sich immerzu beobachten
In dieser Stadt stehen 17 der 20 größten Hotels der Welt. Die Bettenkapazität mit weit über 130.000 übertrifft die jeder anderen Stadt. 2004 wurde der Besucherrekord mit 37 Millionen Touristen gebrochen. Dies ist auch der Grund dafür, dass die Hotels fast das ganze Jahr über zu mindestens 90 Prozent ausgelastet sind. An besonderen Tagen, wie zum Beispiel Silvester, ist es fast unmöglich auf die Schnelle noch ein Zimmer zu bekommen. Die Preise können an solchen Tagen auf über 100 Prozent des Normalpreises ansteigen. Und trotz allem ist Las Vegas vergleichsweise billig, auch mit Sonderangeboten wird nicht selten geworben. Ganz einfach deshalb, weil sich die Stadt über die Casinos finanziert: jährlich verspielen die Besucher über acht Milliarden Dollar.

Bei solchen Einnahmen ist der Baupreis des am 28. April 2005 eröffneten Las Vegas Wynn Hotels fast nichts Besonderes mehr: schlappe 2,7 Milliarden Dollar investierte der 63-jährige Steve Wynn, welcher schon für den Bau des Mirage Hotels verantwortlich war. In seinem neuen, schwarz verspiegelten Mega-Resort befindet sich eine auf 300 Millionen Dollar geschätzte Kunstsammlung mit Originalwerken von Rembrandt, Picasso und Chagall. Zusätzlich gehört dem Hotel der erste Golfplatz am Strip - bisher waren diese immer nur außerhalb zu finden. Doch Mr. Wynn überraschte noch mit anderen Highlights: ein 30 Meter hoher Wasserfall, 18 Restaurants - bekocht natürlich von Starköchen, ein Theater in dem 2.000 Personen Platz finden und selbstverständlich mindestens zwei Flachbildschirme in den Gästezimmern, einer davon im Bad. Kein Wunder ist bei solch einer Ausstattung, dass ein Zimmer umgerechnet eine knappe Million gekostet hat. Noch ist das Wynn das teuerste Hotel der Welt, doch Kirk Kerkorian, Wynns Konkurrent, plant angeblich schon ein Hotel, das dieses noch um einiges übertreffen soll.

Noch ist das Wynn Las Vegas das teuerste Hotel der Welt
© KARSTEN J. KLEE
Noch ist das Wynn Las Vegas das teuerste Hotel der Welt

Prostitution als lukratives Geschäft

Die meisten großen Hotels befinden sich am legendären Strip von Las Vegas. Diese Straße ist etwa sechs Kilometer lang und in der Nacht ein einziges Lichtermeer. Nachteil: an fast jeder Ecke stehen rund um die Uhr Menschen, die einem im Vorbeigehen Heftchen und Zettel aufdrängen. Um noch mehr auf diese aufmerksam zu machen werden sie laut aufeinander geschlagen. Aufdruck, beziehungsweise Inhalt: halbnackte Frauen, selten Männer, die ihre Körper anbieten. Wenn man nicht aufpasst und eine geöffnete Tasche bei sich trägt kann es durchaus vorkommen, dass man einige dieser Zettel ungewollt mitnimmt. Prostitution ist in Las Vegas geduldet, selbst Bürgermeister Goodman spricht sich positiv dafür aus, sagt von sich selbst, dass er jedes Jahr die Porno-Oscars besucht. Dies ist so ziemlich der einzige, allerdings auch größte Kritikpunkt an Las Vegas.

Auch sonst sieht man am Strip Dinge, die eigentlich niemals in Amerika passieren: die Menschen genießen Partys mit Unmengen Alkohol, auch auf der Straße laufen sie mit Bierflaschen oder überdimensionalen Cocktailgläsern herum. Für Amerikaner aus anderen Städten, die etwa 90 Prozent der Touristen in Las Vegas ausmachen, sind diese Bilder ein Schock. Auch ist es in Vegas fast überall erlaubt zu rauchen. Einziges 'Don't': in Casinos und Sex-Bars ist das Fotografieren streng verboten - woran man sich auch halten sollte.

Sterben zwischen Luxushotels?

'Was in Vegas geschieht, bleibt in Vegas' - damit wirbt die Stadt und das aus durchaus gutem Grund. Es ist fast unmöglich das einmalige Gefühl, welches man in dieser kleinen Welt erfahren darf, in Worten oder Bildern wiederzugeben. Das Pionier-Gefühl beherrscht die ganze Stadt, man befindet sich an einem Ort an dem scheinbar alles möglich ist. Allerdings beherbergt eben dieser Ort auch die in Amerika höchste Selbstmordrate. Besonders oft werden Selbstmorde oder deren Versuche an Orten verzeichnet, an denen reges Kommen und Gehen herrscht. Ein Beispiel hierfür wären kleine Motels am Rande des Strips. Der Film 'Leaving Las Vegas' zeigt einen Mann, der extra nach Vegas fährt um zuerst sein letztes Geld zu verspielen und sich dann umzubringen. Man stellt sich also die Frage, ob Las Vegas lebensmüde Menschen anzieht oder Dinge wie das Glücksspiel sie zu eben diesen macht. Eine Antwort darauf zu finden wird schwierig sein - wahrscheinlich steckt in beiden Möglichkeiten etwas Wahrheit.

Las Vegas lockt mit dem welbekannten Willkommensschild. Eins der beliebtesten Fotomotive der Stadt.
© KARSTEN J. KLEE
Las Vegas lockt mit dem welbekannten Willkommensschild. Eins der beliebtesten Fotomotive der Stadt.
Etwas Vergleichbares wie eine Sperrstunde gibt es in Vegas nicht. Ganz egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit man ein Casino betritt - immerzu hat man die Möglichkeit den Spielrausch, begleitet von einem hohen Lärmpegel zu beobachten. Alle Casinos sind gleich aufgebaut: es gibt weder Fenster noch Uhren, die Wege ähneln denen eines Labyrinths, Ausgänge sind nur schwer zu finden. Die Besucher sollen sich aufhalten, der Ehrgeiz zu gewinnen soll sie packen. Und es funktioniert: von jung bis alt, alle wollen sie einmal ihren Vornamen unter den Lettern 'Jackpot' lesen und sich als glückliche Sieger eines hohen Geldbetrages wissen. Doch die Chancen sind gering. Kaum einer kehrt mit einem Geldgewinn aus Las Vegas zurück - vielmehr gewinnt man durch den Besuch eine Erfahrung.

Begehrte Fotos am Neonschild

Natürlich ist man auch um einige faszinierende Fotos reicher. Ganz besonderer Höhepunkt ist hier das weltbekannte Wilkommensschild, welches Betty Willis in den 50er Jahren entworfen hat. Obwohl mehrere hundert Schilder von ihr sind, ist dieses auch für sie ein ganz Besonderes: ein Geschenk an 'ihre' Stadt. Nachdem ihre Familie bereits 1905 in Las Vegas ankam, wollte sie der Stadt etwas zurückgeben - und hat damit der ganzen Welt etwas gegeben. Um nachts Fotos vor dem Schild am südlichen Ende des Strips zu machen, empfiehlt es sich mit dem Auto vorzufahren, da außer der Schrift keinerlei Beleuchtung vorhanden ist.

Die (Neon-)Lichter gehen in las Vegas nie aus: Glücksspiel und Prostitution prägen das Stadtbild
© KARSTEN J. KLEE
Die (Neon-)Lichter gehen in las Vegas nie aus: Glücksspiel und Prostitution prägen das Stadtbild
Autofahren in Vegas ist relativ günstig, da die Parkplätze in der gesamten Stadt kostenlos sind. Selbst die Parkmöglichkeiten der Luxushotels kann man kostenfrei nutzen, auch dann, wenn man kein Zimmer in diesen bewohnt. Tankstellen befinden sich an größeren Seitenstraßen des Strips oder an dessen Enden. Wer dort tankt sollte sich einen der köstlichen und doch so typisch amerikanischen Donuts nicht entgehen lassen - nicht zuletzt, weil diese teilweise wahrhaft preisgünstig zu erstehen sind.

Geld loswerden? Kein Problem in Las Vegas!

Hat man vor in Vegas einkaufen zu gehen, bieten sich Möglichkeiten ohne Ende. Fast jedes Hotel hat viele Shops: von günstig bis unbezahlbar, es ist für jeden etwas dabei. Außerdem laden zum Beispiel der 'Fashion Show Mall', zentral am Strip gelegen, oder das Las Vegas Outlet Center, ein paar Meilen südlich des Strips zum stundenlangen Shoppen ein. Wer lieber ein Museum besuchen möchte, findet unter anderem das 'Elvis-A-Rama-Museum' das einzige Madame Tussaud’s Wachsfigurenkabinett der USA. Doch Las Vegas lockt natürlich noch mit anderem, sei es mit eindrucksvollen Shows der Superstars oder Tierparks mit Tigern und Haien.

Alles in allem braucht man mindestens Wochen um in dieser einzigartigen Stadt alles Sehenswerte zu entdecken, eine Woche genügt allerdings auch schon um das Wichtigste zu sehen. Außerdem kann man immer wieder zurückkehren und sich erneut verzaubern lassen... von der Stadt der Superlative, die immer mehr zur Stadt der Sünde wird...
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Artikel vom 24. Mai 2005

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