C6 MAGAZIN
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WIRTSCHAFT

03.04.2011

Deutsche Spitzenmanager verdienten 2010 rund 18 Prozent mehr

Die Welt am Sonntag nennt es "das Ende der Bescheidenheit" nach den Jahren der Wirtschafts- und Finanzkrise: Aufgrund der Auswertung von Geschäftsberichten der Großkonzerne kommt die Zeitung zu dem Ergebnis, dass die Manager der großen deutschen Firmen im Jahr 2010 im Schnitt 18 Prozent mehr als 2009 auf ihrem Gehaltskonto hatten. Auf das Jahr gerechnet betrug das Gehalt eines DAX-Vorstandes 2,7 Millionen Euro, im Vorjahr waren es "nur" 2,28 Millionen Euro gewesen.

Am besten verdienten die Manager der Deutschen Bank. Die Vorstandsmitglieder des größten deutschen Geldinstituts verdienten durchschnittlich 4,92 Millionen Euro. Auf Platz Zwei und Drei der Spitzenverdiener folgen die Vorstände von Siemens (4,89 Millionen Euro) und Daimler (4,39 Millionen Euro). Die stärksten Zuwächse konnten die Mitglieder der Vorstandsetagen von MAN, ThyssenKrupp, Lufthansa und Infineon verbuchen. Ihre Gehälter verdoppelten sich ungefähr. Für MAN-Manager verdreifachten sich die Gehälter nahezu.

Die Zusammenhänge zwischen einer erfolgreichen Geschäftsentwicklung und den Gehältern der Chefetage sind dabei nicht besonders aussagekräftig, um die Gehaltsentwicklung nachzuvollziehen. So erlitt der Automobilhersteller BMW in dem Jahr einen Gewinneinbruch von einem Fünftel. Die Vorstandsmitglieder durften sich dennoch über ein Gehaltsplus von 50 Prozent freuen.

Aktionärsschützer weisen außerdem daraufhin, dass ein Teil der Vorstandsgehälter versteckte Geldbeiträge enthalte, weil Pensionszahlungen nicht eingerechnet seien. Diese könnten durchaus erheblich sein. "Hohe Pensionszusagen werden oft genutzt, um die Vergütung der Vorstände optisch niedrig zu halten", erklärte Lars Labryga, Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

Auch die Aktionäre der Dax-Konzerne profitierten von dem Wirtschaftsaufschwung. Für das Geschäftsjahr 2010 flossen Dividenden in Höhe von 25,6 Milliarden Euro - ein Zuwachs von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Auch am unteren Ende der Lohn- und Gehaltsentwicklung in Deutschland, also bei den "normalen" Arbeitnehmern, gab es Zuwächse. Zwar betrug dieser Zuwachs in 2010 nicht 18 Prozent, sondern durchschnittlich 1,8 Prozent. Das Komma steht nur an einer anderen Stelle. Das geht aus einer Untersuchung des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Rechnet man den Anstieg der Verbraucherpreise von 1,1 Prozent heraus, bleibt dem deutschen Arbeitnehmer ein Lohn- und Gehaltszuwachs von real 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die effektiven Bruttoeinkommen stiegen um 1,1 Prozent. In den sechs vorhergehenden Jahren erlitten Arbeitnehmer in Deutschland effektiv Reallohnverluste. Als wesentlichen Grund der leicht positiven Entwicklung 2010 nennt die Stiftung den Rückgang der Kurzarbeit.

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