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GESUNDHEIT

26.04.2007

15 Sekunden Ruhe am "Tag gegen den Lärm"

Lärm, ein Problem, das viele berührt. Mensch und Tier. Gestern wurde der "Tag gegen den Lärm" (englisch: "International Noise Awareness Day") zum zehnten Mal begangen, darunter dieses Jahr durch eine kleine "Ruhepause" von fünfzehn Sekunden um 14:15 Uhr. Die Organisatoren hatten zu "15 Sekunden Ruhe" aufgerufen, um für das Lärmproblem, dem wir in unserem Alltag überall begegnen, zu sensibilisieren.

Bei dem "Tag gegen den Lärm" handelt es sich um eine Aktion der Deutschen Gesellschaft für Akustik e.V. (DEGA), die von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft, dem Bundesverband deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe innerhalb des DEHOGA, dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) sowie der Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS) unterstützt wird. Aus dem Spektrum der hier vertretenen Organisationen erhellt die Reichweite des Lärmproblems in unserer Welt. Lärm begegnet uns am Arbeitsplatz, in der Freizeit (nicht nur Diskotheken) sowie im Straßenverkehr. Auch für Tiere, besonders die geräuschempfindlichen Wale und Delphine, stellt der von Schiffsmotoren verursachte Lärm eine Bedrohung ihres Lebensraumes und ihres Fortbestandes dar.

Als größte Lärmquelle gilt nach wie vor der Straßenverkehr. Nach Angaben der DEGA sind 16 Prozent der Deutschen durch den Straßenverkehr einem Lärmpegel von über 65 dB(A) ausgesetzt. Ab diesem Schwellwert steigt das Herzinfarktrisiko bereits um 20 Prozent, so die DEGA. Der auf Baustellen anzutreffende Lärm durch Baumaschinen steht stellvertretend für viele unterschiedliche Lärmbelastungen an Arbeitsplätzen in Deutschland. Nach Angaben der DG Bau beruhten 2005 in der Bauwirtschaft "über die Hälfte aller Fälle anerkannter Berufskrankheiten" auf Hörschäden durch Baulärm. In Diskotheken steigt die Lärmbelastung auf etwa 110 Dezibel, ab einer Lärmbelastung von 115 Dezibel treten bereits nach kurzer Zeit Hörschäden auf. Der VCD weist besonders auf die Lärmbelästigung durch den zunehmenden Schienenverkehr hin. Hauptursache des Lärmaufkommens sei hier veraltete Technik. In Deutschland leiden rund 16 Millionen Menschen an dem Lärm, der durch den Schienenverkehr verursacht wird.

Aber auch der Lärm in den Weltmeeren wird zum Problem für die dort lebenden Meeressäuger, insbesondere Wale und Delphine. Diese Tiere orientieren sich in den Weltmeeren mit einem hochempfindlichen Hörorgan anhand von einer Art Sonar. Dabei reicht die Wirkung von Lärm laut dem Meeresbiologen Dr. Karsten Brensing "von einer kurzfristigen Störung bis hin zum direkten Tod der Tiere". Der deutsche Wal- und Delfinschutzexperte Jürgen Ortmüller macht die Umweltverschmutzung der Meere durch Lärm für den Orientierungsverlust von Walen sowie "eine weitaus höhere Zahl von Todesfällen" dieser Tiere im offenen Meer mitverantwortlich, die immer häufiger auch an den Küsten stranden. Besonders bedrohlich ist die Situation inzwischen in der Nordsee geworden, wo zum Verkehrslärm durch Schiffsschrauben noch der von seismischen Untersuchungen herrührende Lärm sowie die Auswirkungen von Sonareinrichtungen für militärische Zwecke zu zählen sind. Die WDCS weist außerdem darauf hin, dass vor kurzem erst die Genehmigung zur Suche nach Erdgas in einem Schutzgebiet in der deutschen Nordsee erteilt wurde. Die Schutzorganisation für Wale und Delphine sieht darin einen Verstoß gegen europäisches Umweltrecht. Anlässlich des Tages gegen den Lärm forderte die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen von der deutschen Bundesregierung "Maßnahmen gegen den antrhopogenen Unterwasserlärm". Auf die USA solle zudem Einfluss genommen werden, dass der "zur Bewachung des G8-Gipfels im Juni in Heiligendamm [...] geplante Einsatz der US-Kriegsmarine mit Zerstörern und Kreuzern in der Ostsee ohne Mittelfrequenzsonare" auskommen sollte.

Angesichts des gestrigen Tages gegen den Lärm warnte der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) vor den auf die Kommunen zukommenden Belastungen durch die Umsetzung der EU-Umgebungslärmrichtlinie. In die Umsetzung dieser Richtlinie setzt das Bundesumweltministerium jedoch hohe Erwartungen, weil in Deutschland etwa 13 Millionen Menschen besonderen Lärmbelastungen ausgesetzt sind. Die Umsetzung der EU-Richtlinie könnte wesentlich dazu beitragen, diese Belastungen zu reduzieren, indem bereits bei bauplanungsrechtlichen Entscheidungen auf kommunaler Ebene entsprechende Kriterien angelegt würden. Laut EU-Richtlinie sollen zunächst Lärmkarten auf örtlicher Ebene entwickelt werden, um Planungshilfen für Lärmschutzbelange zu erhalten. Dabei handelt es sich um eine Maßnahme, die aus der Sicht der kommunalen Entscheidungsträger oft als überflüssig angesehen wird, da die örtliche Lärmsituation in der Regel gut bekannt sei. Insbesondere bemängeln die Kommunen die Absicherung neu den Kommunen zugewiesener Aufgaben durch eine entsprechende finanzielle Ausstattung sowie die rechtlichen Möglichkeiten Entscheidungen auch durchzusetzen, was teilweise schwierig sei, da beispielsweise Hauptverkehrsstraßen und Flughäfen nicht in den Zuständigkeitsbereich der Kommunen fielen.

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