C6 MAGAZIN
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LIFESTYLE 15.6.2005

Straight Edge – die etwas andere Subkultur

Was haben die meisten Subkulturen gemeinsam? Bestimmt nicht das, was die Straight-Edge-Kultur ausmacht. „Straight Edge“ bedeutet „gerade Kante“. Nicht, weil sich Straight Edger die Kante geben, sondern weil sie konsequent eben dies gerade nicht tun.
Straight Edge
ist als
Gegenbewegung
entstanden
© FLORIAN SCHWöBEL
Straight Edge ist als Gegenbewegung entstanden
Hört man den Song "Straight Edge" der US-Band Minor Threat, fühlt man sich eher an einen derben Punk-Song erinnert. Der Refrain – vorgetragen mit superschneller Schlagzeug-Dresche, Gitarren-Gefetze und Geschrei - klingt wie das aggressive Brüllen eines Koma-Säufers. Doch der Text des Stücks verurteilt eindeutig jeden Drogenkonsum: "I’m a person just like you / But I’ve got better things to do / Than sit around and fuck my head / Hang out with the living dead". Und schließlich: "I’ve got the straight edge". Somit hat Sänger Ian MacKaye bereits vor über 20 Jahren eine Bewegung getauft, die den Punk-Musikstil übernommen hat, ihren selbstzerstörerischen Lebensstil aber ablehnt. Es war die Zeit, als es vermehrt Drogentote gab und AIDS sich auszubreiten begann. Straight Edge ist als Gegenbewegung entstanden - auch gegen sexuelle Beliebigkeit. Allerdings bedeutet das für die wenigsten Anhänger der Subkultur den Verzicht auf Sex vor der Ehe, Treue ist aber Pflicht. One Night Stands sind für einen echten Straight Edger nicht okay.

Jeder nicht trinkende Nichtraucher, der die beiden Regeln "Keine Drogen, keine Promiskuität" beherzigt, könnte sich eigentlich schon als straight edge bezeichnen (vor allem Hardcore-Musikfreunde). Viele gehen jedoch noch weiter. Veganer, sozusagen "strenge Vegetarier", vermeiden alles, was von Tieren kommt - auch Eier und Milchprodukte. Noch konsequenter sind die Fructaner, die ausschließlich Früchte verzehren – Zerstörung der ganzen Pflanze verboten. Das heißt also: Äpfel dürfen gegessen werden, weil sie ja sowieso vom Baum fallen. Salat hingegen ist tabu, denn den müsste man ja komplett "töten", wenn man ihn essen will. Und wer sich richtig kasteien will, der nennt sich Rohkostveganer und isst alles roh und ungewürzt. Aber da fühlt man sich fast an Nietzsches Ausspruch erinnert: "Der Asket macht die Tugend zur Not." Und die Fäkalianer, wie ein Mannheimer Straight Edger scherzhaft bemerkte, gibt es wohl nicht: Solche Vertreter würden nämlich nur ihre eigenen Fäkalien essen, und zwar ungekocht und ungewürzt. Der Haken: Darmbakterien sind auch Lebewesen. Aber Spaß beiseite...

Straight Edger können Fleisch essen, sowie es auch Vegetarier gibt, die Alkohol trinken. Es kommt halt darauf an, wie straight man is(s)t. Der Sinn und Zweck von Straight Edge - unabhängig von der konkreten Ausprägung - lässt sich kurz so zusammenfassen: Lebe gesund und bewahre einen klaren Kopf! Und vom Extrem der Salatkopf-Mord-Gegner mal abgesehen: So außergewöhnlich ist dieser Lifestyle nun doch wieder nicht, oder? Am Neujahrstag zum Beispiel gibt es ganz, ganz viele, ebenso verkaterte wie überzeugte Straight Edger.
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Artikel vom 15. Juni 2005

Kommentare über Lifestyle

metalcore am 31.01.2006:
hi ich hab ne frage ich esse fleisch aber rauche nicht und nehm keine drogen wie zB kiffen ist das jetzt sraight edge oder nett


Möhre am 22.12.2005:
Ich bin auch Straight Edge und habe auch oft das Problem das ich schief angegickt werde weil ich keinen Alkohol trinke und so.Die meisten denken ich bin in einer Sekte wenn sie das hören. Ich finds dann eher lustig und denke mir halt meinen Teil :-)
Ich bin super glücklich so wie ich lebe und find es immer wieder total traurig wenn ich Leute sehe die sich ins KOma saufen oder DRogen nehmen. Aber jeder soll so leben wie ers für richtig hält!
Ich bin glücklich als Straight Edger!


Joana am 22.12.2005:
Hi! Ich bin selber sXe und fühle mich, wie sollte es auch anders sein ;-), sau-wohl dabei! Es ist jedoch immer schwierig, wenn gerade Außenstehende "uns" über einen Kamm scheren (wollen). Fast jeder Edger ist individuell und hat sich oft selber seine "Regeln" gesetzt. Schließl. weiß ja auch jeder selber, was für ihn das Beste ist. Ich, als Mädel, falle ja aufgrund meines Geschlechtes ähnlich aus dem typischen Raster, wie die Tatsache, dass ich nicht/ kaum an Hardcoremusik interessiert bin..!
Es ist auch nicht ok, dass es heißt, "wir" würden andere von unserer Einstellung überzeugen wollen. Klar, gibt es da solche und solche, aber im Grunde gehört die Toleranz zu einem jeden sXe-Dasein, und da versteht es sich doch von ganz alleine, dass ich die Meinung anderer genau so respektiere!! (Bin im Übrigen die einzige Edger(in) in meinem Cliquenkreis)
Wichtig ist doch, dass man hinter sich und seiner (Lebens-)Einstellung steht und weiß,die der Anderen, zu toleriert!
In diesem Simme.
Liben Gruß, Joana


Maarja am 21.12.2005:
Ich finde Straight Edge richtig gut. Denn wenn jemand gegen Rauche, Trinken und Drogen ist, dann sollte er das auch dürfen und nicht alleine dastehen. Ich selber gehe oft und gerne auf Partys, trinke und rauche aber nicht. Auch wenn ich meist sie einzige bin macht es mir nichts aus und mir ist es auch egal, was andere dazu sagen.


ronya am 01.12.2005:
wat bitte? ich bin selbst straight edge und das hat bei mir ma NULL mit selbstdarstellung zu tun, ich hab früher selbst genug gesoffen und geraucht und für mich selbst erkannt, das es besser ist straight zu sein. es ist einstellung, meinung, lebenseinstellung und ehre.
nich jeder straight edger is so'n poser, wie gewisse andere menschen.


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