C6 MAGAZIN
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PROBLEM 1.3.2002

Gewalt unter Jugendlichen

Diebstahl, Erpressung, Körperverletzung. An deutschen Schulen soll Jugendgewalt angeblich bizarre Formen angenommen haben, die Ursachen sind manigfaltig. Familiäre Probleme stehen nach wie vor ganz am Anfang der Reaktionskette.
Was früher spielerisches Kräftemessen war, artet heute in nackte Gewalt um.
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Was früher spielerisches Kräftemessen war, artet heute in nackte Gewalt um.
Über Jugendgewalt wurde in den Medien seit vielen Jahren diskutiert. Die Ursachen sind bekannt, doch wird der befürchtete Trend, ein Zustand wie in den Ghettos von Amerika, auch wirklich eintreffen? Der wissenschaftliche Stand zeigt, dass eine Aufspaltung der Jugendgewalt immer deutlicher wird. Die Gymnasien sind kaum betroffen, aber dafür Haupt- und Realschulen. Selbst bei den Grundschulen ist ein immer höherer Gewalttrend zu verzeichnen. Diese Entwicklung wurde vor gerade mal fünf Jahren nicht berücksichtigt. Die Wissenschaftler gingen von einem allgemein orientierten Gewaltsyndrom aus, das heißt alle Schulformen sind gleich stark betroffen. Wenn man einmal die Theorie von vor fünf Jahren mit der tatsächlichen Entwicklung bis heute vergleicht, zeigen sich einige Gegensätze, aber auch Gemeinsamkeiten. Durch diese veränderte Entwicklung lässt sich auf nicht beachtete Ursachen schließen. Also muss nochmals überdacht werden, wie es zu dieser Trendwendung/Trendänderung kam und was man daraus für Ursachen schließen kann, die ein besseres Zusammenleben in der Schule möglich machen.

Schule und Gewalt

Gewalt galt an Schulen immer als Tabuthema, denn bis vor einigen Jahren existierte offiziell keine Gewalt. Gründe hierfür waren, den Ruf der Schule nicht zu gefährden und Pädagogenprobleme, die auf psychisches Fehlverhalten deuten, nicht an die Öffentlichkeit zu lassen. Doch die Schulen wurden mit der Gewalt nicht mehr fertig, und beanspruchten die Hilfe der Polizei immer häufiger. Doch es geht nicht darum, dass die Schule ihren Ruf schützen wollte. Es ging um unbedachte Folgen, die zur Konsequenz hatten, dass Erzieher immer weniger geachtet wurden. Ein nicht berücksichtigter Aspekt war, dass Schüler an das glauben, was ihnen als Stoff vermittelt wird. Aber wenn diese Vertrauensbasis gestört wird, hat man keinen Respekt mehr gegenüber den Erziehern. Und dieser mangelnde Respekt führt zu einer Hilflosigkeit, die Jugendliche auf ihre Art bewältigen - mit Gewalt.

Nach Expertenansicht verursachen gewaltverherrlichende Filme Aggressionen, doch trifft das wirklich für alle Jugendliche zu?
© MANNHEIM ILLUSTRIERT
Nach Expertenansicht verursachen gewaltverherrlichende Filme Aggressionen, doch trifft das wirklich für alle Jugendliche zu?
Der quantitative Unterschied zwischen früher und heute liegt in der Art der Gewalt. Jugendliche werden immer skrupelloser und brutaler. Die Art von Gewalt, sich etwa auf dem Schulhof wegen einem Mädchen zu prügeln, ist noch längst nicht dieselbe, wie sie heute herrscht. Gewalt ist kein klar definierter Begriff, jeder empfindet Gewalt als etwas anderes. Raufen auf dem Schulhof, wie es früher war, ist in keiner Weise gleichzusetzen mit jener Gewalt, die heute ausgeübt wird. Denn was früher spielerisches Kräftemessen war, artet heute in nackte Gewalt um. Die Schulleiter stehen Gewalt heute anders gegenüber, denn insgesamt ergibt sich ein sehr breites Spektrum des Gewaltverständnisses.

Die Familie als Hauptursache?

Die Ursachen von früher entsprechen zwar noch den gleichen Problemen, doch in der Zwischenzeit hat sich die Situation verschärft, oder es sind neue Faktoren hinzugekommen. Familiäre Probleme stehen nach wie vor ganz am Anfang der Reaktionskette. Die Scheidungsquote steigt rapide an, immer mehr Familien trennen sich, Verlierer in dieser Runde sind die Kinder. Sie haben zu akzeptieren, was Erwachsene mit ihrem Leben anstellen und müssen mit den neu entstandenen Problemen umgehen, wobei sie meistens überfordert werden. Wenn das familiäre Umfeld nicht stimmt, kann sich ein Jugendlicher auch nicht auf schulische Leistungen konzentrieren, doch es ist nicht die Aufgabe der Schulpsychologen, festzustellen, dass ein Kind Probleme mit Eltern hat. Vor einigen Jahren rebellierten viele Jugendliche gegen die Erziehungsmethoden und versuchten Aufmerksamkeit auf sich zu regen, heute regiert ein öffentliches Interesse, über dieses Thema wird in sämtlichen Talkshows berichtet. Also liegt den Jugendlichen nichts mehr an Aufmerksamkeit, da sie das Interesse bereits geweckt haben.

Zur Information
Wie soll ich mich in riskanten Situationen verhalten?

• Sich nicht provozieren lassen
• Auch wenn es schwer fällt: ausweichen
• Keine Konfrontation suchen
• Auf keinen Fall den Helden spielen
• Nach eine schweren Vorfall sofort Anzeige erstatten
• Rachebeteuerungen nicht beacten, sie sind oft leere Worte

    
 
Die Gewalt und die Ursachen haben sich verändert, der Wertezerfall (Werte die früher einmal galten, gelten heute nicht mehr, wie zum Beispiel die Achtung vor dem Alter) steigt immer schneller voran. Die Basis für alle Ursachen sind familiäre Probleme. Sie lösen eine Kettenreaktion für die verschiedensten Ursachen aus, wie z.B. mangelnde Konzentrationsfähigkeit. Die Knotenpunkte, um die sich alles dreht, sind nun außerschulische Aktivitäten. Es ist nicht die Aufgabe der Schule, zu kritisieren, was Schüler in ihrer Freizeit machen. Es liegt auch zum Teil an den Lehrern, ob sie Schüler für ein bestimmtes Thema interessieren können. Meiner Ansicht nach kann man jedes Thema so gestalten, dass sich Schüler dafür interessieren. Die Lehrer haben ein Stück weit versagt, wenn Jugendliche einige Stunden am Tag vor dem Fernseher verbringen. Nach Expertenansicht verursachen gewaltverherrlichende Filme Aggressionen, doch trifft das wirklich für alle Jugendliche zu? Gerade zurückhaltende Schüler werden durch diese Gewalt zurückgeschreckt. Da Fernsehen für viele Jugendliche fast Realität geworden ist, scheint die Grenze fast unsichtbar, was im einen Moment noch lebensnotwendig war, ist im anderen Moment höchst strafbar. Wenn man diese Faktoren objektiv betrachtet, erkennt man, dass die soziale Stabilität in vielen Fällen zerbricht.

Jugendliche können meist nur schwer begreifen oder gar verarbeiten, was das bedeutet. Sie verkraften es selten ohne Schaden. Jedoch ziehen sie sich oft in ihre eigene Welt zurück, indem sie ihre Aggressionen abbauen. Wenn der Wunsch nach einem "perfekten Traumleben" jedoch zu stark wird, überschreiten sie ihre Grenzen. Die Folge daraus ist physische Gewalt, die aus psychischer hervorgerufen wurde. Der Schwerpunkt der Erziehung gegen Gewalt in der Schule liegt in der Prävention. Es existieren Lehrerfortbildungen, Betreuungsangebote, Unterrichtsmaterialien und Projekte. Außerdem neue Bildungspläne, in denen überfachliche Qualifikationen und Erziehungsziele die Kommunikationsfähigkeit und soziales Lernen besonders hervorheben. Doch eine Sache wurde bei dieser Aktion unterschlagen - Gewalt fängt nicht mit dem Eintritt in die Schule an. Auch wenn die Gewalt im Kindergarten als Spielerei abgetan wird, zeigt sich dort das spätere Verhalten gegenüber anderen. Kinder, die den Kindergarten nicht besuchten, zeigen meist eine höhere Aggressivität und Intoleranz gegenüber Gleichaltrigen. Solange die Grundsteine für ein friedliches Zusammenleben mit Akzeptanz und Toleranz nicht gelegt sind, kann nicht erwartet werden, dass Jugendliche ihre Fehler von alleine begreifen und ihnen entgegenwirken.
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Artikel vom 1. März 2002

Kommentare über Problem

DannÜ am 18.03.2007:
Entschuldigt bitte meine Ausdrucksform.
Ich reagierte etwas über als ich das gelesen hatte.

Hiermit möchte ich den Artikel doch noch einmal loben, da er Recht informativ und übersichtlich gehandhabt wurde.

Desweiteren muss ich dazu sagen, dass ich diesen Artikel hier als Referatsgrundlage genommen habe und nun nurnoch etwas ausschmücke ;-)

Mit versöhnlichen Grüßen,
DannÜ


DannÜ am 17.03.2007:
Ey jetz mal ernsthaft, wisst ihr eigentlich was ihr da schreibt?!?


"Die Gymnasien sind kaum betroffen"
das ist so ein scheiß des gibts doch garnet, was war denn dan mit dem Amokläufer von Erfurt?


echt des is so billig was ihr hier schreibt. Er war Gymnasiast also echt.


ich weiß net was ich davon halten soll aber des is echt mal schmarrn.


Der rest des Artikels ist ganz ok aber des: NEIN!


KingKotGesicht am 12.02.2007:
Gibts probleme? wendet euch an die kanaken, die alles kurz und klein hacken, löööl^^, naja gewalt jeder auf seine weise nich?


Maria am 03.02.2007:
Natürlich haben die Lehrer einen starken Einfluss auf die Kinder, jedoch ist ihnen die Möglichkeit, die Kinder von außerschulischen Aktivitäten zu überzeugen, keineswegs gegeben. Die Klassen sind dafür viel zu groß und es gibt viel zu viele Schüler, die unter den familiären Konflikten leiden.
Meiner Meinung nach sind es die Eltern, die versagt haben, durch Leute wie Sie, die behaupten, Lehrer müssten sich um diese Kinder kümmern.


isannnnnn am 24.04.2006:
hahahahah ihr denk auch ihr seid cool wenn ihr so was mit anderen schülern macht. ich kann nur sagen alles kommt zurück und das ist auch gut hahaha. ihr seid einfach plem plem ihr komischen vögel


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