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WIRTSCHAFT

27.07.2010

BP beginnt Tiefseebohrungen im Mittelmeer

Während die Versuche, die durch die Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April im Golf von Mexiko ausgelöste Umweltkatastrophe in den Griff zu bekommen noch andauern, wird der Ölkonzern British Petroleum (BP) demnächst mit Tiefseebohrungen in der Mittelmeerbucht Große Syrte, etwa 200 km vor der Stadt Bengasi beginnen. BP-Sprecher David Nicholas bestätigte einen Bericht der Financial Times, wonach mit den Bohrungen in wenigen Wochen begonnen werden soll. In 1.750 Metern Tiefe soll vor der Küste Libyens nach großen Mengen Erdöl sowie bis zu 850 Millionen Kubikmetern Erdgas gebohrt werden. Obwohl die Quelle damit um 250 Meter tiefer liegt als die Quelle im Golf von Mexiko, weist BP Sicherheitsbedenken zurück. Laut BP-Sprecher David Nicholas seien hohe Sicherheitsstandards vor Libyen gewährleistet. Die Rechte für die Bohrung hatte BP bereits im Jahr 2007 von Libyen für 900 Millionen Dollar (675 Millionen Euro) gekauft. Laut BP-Chef Tony Hayward die bis dahin größte Einzelinvesition des Konzerns.

Neben der Ölpest im Golf von Mexiko sieht sich BP derzeit auch mit Vorwürfen konfrontiert, Forscher zum Schweigen bringen zu wollen und Sicherheitsstandards auf der gesunkenen Ölplattform nicht eingehalten zu haben. Darüberhinaus werfen die USA dem Ölkonzern vor, an der vorzeitigen Freislassung von Abdel Basset al-Megrahi, der am 31. Jänner 2001 zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen seiner Beteiligung am Lockerbie-Attentat verurteilt wurde, aktiv mitgewirkt zu haben, damit mit den Bohrungen begonnen werden kann. Der britische Außenminister William Hague teilte in einem Brief an US-Senator John Kerry mit, dass es zwar Gespräche zwischen BP und dem Außenministerium in der Angelegenheit gab, dass dies aber ein normaler und legitimer Vorgang sei. Weiters meint Hague, dass es keine Hinweise darauf gäbe, dass BP irgendwie Einfluss auf die Entscheidung der schottischen Regierung genommen habe, die al-Megrahi lediglich aus menschlichen Gründen freigelassen habe. Diese Woche noch soll in den USA eine Anhörung zum Thema stattfinden.

Antonio D'Ali, Vorsitzender des Umweltausschusses des italienischen Senats, teilte der Financial Times mit, dass er trotz der Versicherungen des Ölkonzerns, mit großer Vorsicht vorzugehen, über die Pläne von BP beunruhigt sei. Seiner Meinung nach ist das größte Problem, dass das Mittelmeer jetzt schon eines der am stärksten ölbelasteten Meere der Welt ist und eine größere Ölkatastrophe den gesamten Mittelmeerraum in Mitleidenschaft ziehen würde.

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