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ARCHÄOLOGIE

27.05.2002

Das Geheimnis des goldenen Sarges

© NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND
Immer wieder versuchen Forscher zu ergründen, wer einst in diesem Sarkophag bestattet wurde. Die Goldmaske wurde wohl bereits in der Antike abgerissen.
Es ist eines der größten Geheimnisse des alten Ägypten: Wem gehörte der goldene Sarg aus Grab 55? Im Jahr 1907 entdeckten der Amerikaner Theodore Monroe Davis und sein Team den 3400 Jahre alten Sarkophag im Tal der Könige ? seither rätseln die Forscher über seine Herkunft. Jetzt glauben Münchner Wissenschaftler sicher zu sein: Es handelt sich um den Sarg des legendären Pharaos Echnaton, in dem aber sein Nach-Nachfolger Semenchkare bestattet wurde. Das berichtet National Geographic Deutschland in seiner aktuellen Juni-Ausgabe.

Zum ersten Mal hatten die Forscher des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst Gelegenheit, den Deckel und die Überreste der lange Zeit verschwundene Sargwanne eingehend zu untersuchen. Sie ließen das Oberteil im Computertomographen des Klinikums Großhadern röntgen und beauftragten Fachwissenschaftler, sein Holz und die Goldauflage zu analysieren. Das Ergebnis stellt viele Forschungsergebnisse der vergangenen Jahrzehnte in Frage.

Es war ein Zufall, der Theodore Davis und seine Leute am 6. Januar 1907 zu Grab 55 führte. In seinem Innern stießen sie auf einen Sarg, dessen goldene Gesichtsmaske wahrscheinlich schon in der Antike brutal abgerissen worden war. In dem Sarkophag lag eine Mumie, die bei Berührung weitgehend zerfiel. Nur die Knochen konnten geborgen werden. Sie gehörten einem Mann, der vermutlich im Alter von 20 bis 25 Jahren gestorben war.

Forscher in aller Welt beschäftigen sich seit bald 100 Jahren mit dem Rätsel, wem der Sarg gehörte und wer tatsächlich in ihm bestattet wurde. Der Sarkophag trägt die Insignien eines Königs: Krummstab, Wedel und an der Stirn die Uräusschlange. Die Kombination der Inschriften "Vollendeter Herrscher", "Erschienen mit der Weißen Krone" und "Groß in seiner Lebenszeit" weist auf Echnaton hin. Erst jetzt konnten die Münchner Wissenschaftler aber nachweisen, dass der Sarg niemals umgearbeitet wurde, also tatsächlich für diesen legendären Pharao angefertigt wurde. Barg er auch seinen Leichnam? Die Münchner bezweifeln das. Ihrer Ansicht nach kann Echnaton, der alte Glaubensvorstellungen verwarf und zum ersten Monotheisten der Weltgeschichte wurde, nicht mit Mitte 20 gestorben sein. Die Forscher des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst nehmen an, dass es sich bei der Leiche um Echnatons wenig bekannten Nach-Nachfolger Semenchkare handelte, der unerwartet starb und in einem provisorischen Notgrab bestattet wurde. (Original Pressetext)

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