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WISSENSCHAFT

29.03.2005

Die falschen Versprechen der Gendiagnostik

Während in Deutschland die Experten noch diskutieren, brummt im Ausland schon das Geschäft mit Gentests. Doch die Untersuchungen halten nicht, was sie versprechen. Genforscher schütteln über die teilweise im Internet angebotenen Tests nur den Kopf, schreibt das Technologiemagazin Technology Review.

Schon für 199 Euro soll man das genetische Risiko für einen Herzinfarkt anhand von sieben Genen untersuchen lassen können. Dabei schätzen Genforscher die Anzahl der beteiligten Gene auf 200. Der Einfluss von Rauchen, Fehlernährung und Bewegungsmangel ist zudem überwältigend. Klaus Zerres, Leiter des Instituts für Humangenetik in Aachen, stellt fest, dass man schlicht nicht wisse, welche Gene in welchem Ausmaß zu koronaren Herzerkrankungen beitragen. Ein Vorteil durch das Testen einzelner Gene sei bislang nicht einmal bewiesen.

Die Gendiagnostik hat in den vergangenen Jahren eine steile Karriere durchlaufen. Dank vollautomatischer Sequenzierung und Chiptechnologie werden Gentests immer schneller und billiger. Den Schlagzeilen vom "Alkoholismus-Gen" oder einem Gen, das Schizophrenie verursachen soll, folgen zwar schnell Dementis, dennoch werden in Deutschland heute jährlich 90.000 Gentests durchgeführt, Tendenz steigend. Der Blick ins Erbgut interessiert bereits Arbeitgeber, und Versicherungen melden ihr Interesse an.

Derzeit kann man in Deutschland mit 2448 verschiedenen Gentests 554 verschiedene Krankheiten ergründen, beinahe täglich werden es mehr. Die meisten davon betreffen allerdings seltene Erbkrankheiten wie Chorea Huntington, die von einer einzigen Abweichung in einem bestimmten Gen hervorgerufen werden. Nur in wenigen Fällen ist ein solches monogenes Merkmal in der Bevölkerung so häufig, dass die Suche auch ohne einen konkreten Verdacht Sinn macht.

Andere Krankheiten hingegen werden von einer Vielzahl unabhängiger Genvarianten begünstigt, die sich womöglich untereinander beeinflussen und zudem noch mit der Umwelt wechselwirken. Trotz hoher Verbreitung in der Bevölkerung ist der Einfluss des einzelnen Gens auf das Krankheitsbild dabei nur gering. Deshalb werden Gentests für häufig auftretende Krankheiten bislang vor allem von denjenigen empfohlen, die damit Geld verdienen. Ärzte, die mit ihrer Beratungspflicht sorgsam umgehen, erklären ihren Patienten, wenn ein Gentest gar nicht sinnvoll ist. (thv) (Original Pressetext)

Technology Review

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