C6 MAGAZIN
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INTERVIEW

23.08.2006

US-Außenministerin will mehr Kontakt zu Menschen im Nahen Osten

Die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice hat eingeräumt, dass der Irak-Krieg das Image der USA drastisch verschlechtert hat. "Dieser Schritt hat Amerika einiges an Popularität gekostet", sagte die 51-Jährige im Interview mit dem Magazin Reader's Digest.

Gleichzeitig kündigte sie an, künftig mehr als bisher um Verständnis für die US-Politik werben zu wollen: "Wir müssen mit den Menschen im Nahen und Mittleren Osten ein Gespräch und keinen Monolog führen. Wir brauchen mehr Kontakt zu den Menschen, besonders den jungen."

Dabei sei es notwendig, allen klar zu machen, dass Amerika ein weltoffenes Land ist und andere Kulturen sowie Religionen duldet: "Wir tolerieren uns nicht nur, wir inspirieren uns gegenseitig. Ich wünsche mir, dass die Menschen dieses Amerika sehen." Aus Sicht der engen Vertrauten von US-Präsident George W. Bush hätten es die amerikanischen Präsidenten in den vergangenen 60 Jahren jedoch versäumt, die Beweggründe für ihre Politik in aller Welt eingehend zu erläutern: "Sie haben sich nur um Stabilität, aber nicht um Demokratie gekümmert und so keines von beidem erreicht."

Trotz der Probleme im Irak und an anderen Krisenherden der Welt rechtfertigte Rice das Vorgehen der Amerikaner. Es müsse nicht nur das Ziel sein, das Terrornetzwerk El Kaida zu zerschlagen, sondern auch die Umstände zu verändern, aus denen Osama bin Laden seine Organisation aufbauen konnte. "Dies ist die Aufgabe einer ganzen Generation und der einzige Weg, unseren Kindern und Enkeln einen dauerhaften Frieden zu hinterlassen."

Die amerikanische Außenministerin, die mehrere Jahre Sicherheitsberaterin von Präsident Bush war, ehe sie im Januar 2005 zur Außenministerin ernannt wurde, gab aber zu, dass es fünf Jahre nach den Terroranschlägen von New York immer schwieriger werde, die amerikanische Bevölkerung vom Sinn des weltweiten Einsatzes zu überzeugen: "Vielleicht hatten wir noch nicht die Zeit, uns richtig
darüber klar zu werden, was uns der 11. September als Land abverlangt."

In dem Interview warnte Rice den Iran, sein Atomprogramm auszubauen: "Wenn der Iran unbedingt Nuklearwaffen haben will, wird er in der internationalen Gemeinschaft isoliert sein." Auch Nordkorea habe keinen Grund, Atomwaffen zu besitzen: "Wir wollen nicht in Korea einmarschieren oder es angreifen", betonte Rice, fügte aber hinzu: "Ich bin davon überzeugt, die Nordkoreaner wissen genau, dass die USA und ihre Verbündeten in der Lage sind, auf jede Art von Provokation angemessen zu reagieren."

Aus Sicht der US-Außenministerin, die einst Politikwissenschaft studierte und nach ihrer politischen Karriere im Sportmanagement tätig sein will oder wieder als Professorin an der Stanford-Universität lehren möchte, wird sich die Demokratie aber ohnehin in den nächsten Jahren weltweit als Staatsform durchsetzen: "Der Weg dorthin wird steinig sein, weil große Veränderungen in der Regel nicht ohne Schwierigkeiten vonstatten gehen", so Rice mit Blick auf die Umbruchsituation im Nahen Osten. Eine Alternative gebe es aber nicht: "Jetzt stehen wir am Anfang eines großen Wandels. Ich weiß nicht, ob er zehn, zwanzig oder dreißig Jahre dauern wird. Aber im Rückblick werden die Leute sagen: Gut, dass sie damals nicht den einfachen Weg gingen und sich mit Stabilität begnügten, sondern dass sie auf Demokratie bestanden." (Original Pressetext)

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