C6 MAGAZIN
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NATURKATASTROPHEN

08.04.2009

Mehr als 200 Tote bei Erdbeben in Italien

Ein schweres Erdbeben in der Region zwischen Rom und Pescara hat in der Nacht vom 5. auf den 6. April 2009 in Abruzzen schwere Schäden angerichtet und mehrere hundert Menschenleben gefordert, 98 Tote konnten bislang identifiziert werden. Nach den Angaben des Zivilschutzes machten die Erdstöße rund 50.000 Menschen obdachlos und 10.000 bis 15.000 Häuser in der Region östlich von Rom wurden stark beschädigt oder zerstört. 1.000 Menschen wurden verletzt in Krankenhäuser gebracht, davon sollen 100 noch in kritischem Zustand sein. Zudem sind noch 50 Menschen als vermisst gemeldet. Es wird damit gerechnet, dass die Zahl der Toten noch steigen wird. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat den nationalen Notstand ausgerufen. Berlusconi sagte eine Reise nach Moskau ab und bestätigte am Montagabend die Opferzahlen von derzeit 150 Toten, die von den Krankenhäusern der Region gemeldet werden. Seit Dienstagabend (7. April) sind 228 Tote bestätigt, 150 Verschüttete konnten jedoch erfolgreich gerettet werden.

In der Nacht ist es mehrfach zu starken Nachbeben gekommen, die Behörden sprechen von einer Stärke von 3,6 auf der Richterskala. Erschwert wurden die Bergungs- und Rettungsarbeiten von Regen und eisigen Temperaturen. In der Nacht wurden drei Menschen aus den Trümmern ihrer Häuser lebend geborgen. Tatsächlich wurden ersten Meldungen zufolge Anwohner von herabstürzenden Teilen an den Häusern in L'Aquila eingeschlossen, die Menschen wurden aus ihren Häusern evakuiert und verbringen die Nacht in Notunterkünften oder bei Bekannten oder Verwandten, da weitere Erdstöße befürchtet werden. Experten sehen einen Zusammenhang zur ständigen Verschiebung der Kontinentalplatten: In der Plattentektonik wandert die afrikanische Platte mit einer Geschwindigkeit von etwa einem Zentimeter pro Jahr unter die eurasische Platte.

Viele Orte sind nicht oder nur schwer erreichbar, die Region gilt als schwer zugänglich. Außerdem wurde die Region auch noch von einem Gewitter getroffen. Die Ärzte mussten Verletzte teilweise unter freiem Himmel behandeln, da nur ein Operationssaal verfügbar war. Die Universitätsklinik drohte einzustürzen und wurde geräumt. Mit dem Hubschrauber wurden Schwerstverletzte ausgeflogen. Das Erdbeben war das stärkste in Italien seit 1997, als die historische Altstadt von Assisi zerstört wurde. Schwere Erdbeben sind in Italien nicht selten, durch ein Erdbeben am 23. November 1980 verloren bei Neapel 2.570 Menschen ihr Leben, im Oktober 2002 starben 27 Schüler, ihr Lehrer und zwei weitere Bewohner der Ortschaft San Guiliano di Puglia.

Am stärksten betroffen wurde von dem Beben die Stadt L'Aquila, die etwa 90 Kilometer nordöstlich von Rom liegt. Es besteht dort Einsturzgefahr, außerdem wird Explosionsgefahr befürchtet. Über die Stärke des Bebens liegen unterschiedliche Angaben vor: Das Hypozentrum des Erdbebens, das nach den Angaben des United States Geological Survey eine Momenten-Magnitude MW=6,3 erreichte, lag etwa zehn Kilometer tief unter der Provinzhauptstadt. Das staatliche Institut für Geophysik gab die Stärke des Bebens mit 5,8 nach der Richterskala an. Es war der bisher stärkste einer Reihe von Erdstößen, welche seit gestern die Region erschüttern. Die rund 60.000 Einwohner L'Aquilas wurden durch das Erdbeben um 3.32 Uhr im Schlaf überrascht. Den nur etwa 30 Sekunden dauernden Erdstößen waren mehrere leichtere Erschütterungen vorausgegangen. Es wird laut Expertenangaben auch in den nächsten Wochen und Monaten mit weiteren Nachbeben gerechnet, allerdings nicht mehr mit einer Stärke von 5,8, sondern mit etwa 4,0 auf der Richterskala geschätzt. Unterdessen hat es Dienstagabend, den 7. April um 19.42 Uhr Ortszeit ein weiteres Nachbeben gegeben, das vorangegangene Nachbeben übertraf und eine Stärke von 5,3 auf der Richterskala aufwies. Die Behörden warnten evakuierte Anwohner davor, in ihre Häuser zurückzukehren. Dies Suche nach Vermissten und neuen Opfern soll noch 48 Stunden fortgesetzt werden, trotz Wassermangels und Energie-Notstands. Man wolle sicher gehen, alles menschenmögliche getan zu haben, eventuell lebend Verschüttete zu bergen, so Berlusconi. Unterdessen hat sich die Opferzahl laut der Zeitung La Stampa von 207 auf 228 erhöht, statt bisher 15 Menschen werden nun 50 vermisst.

Der Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bot Italien am Dienstag in einem Kondolenzschreiben an Franco Frattini Hilfe an und sicherte zu, Italien jederzeit und nach Kräften unterstützen zu wollen. Die deutsche Task Force Erdbeben ist genauso wie die drei Mitarbeiter des deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) aus Potsdam auf dem Weg in das Katastrophengebiet. Letztere wollen die Erdkruste an der Bruchstelle untersuchen.

Aufgrund der Tatsache, dass auch Häuser neueren Datums nicht erdbebensicher gebaut waren, obwohl sie in einem erdbebengefährdeten Gebiet errichtet wurden, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) höhere Ernbebensicherheit gefordert. Ein Krankenhaus in L'Aquila war zu 90 Prozent eingestürzt.

In der Tagesschau wurde gemeldet, dass in der Nacht Plünderungen der einsturzgefährdeten Häuser stattgefunden hätten. Es kam zu ersten Festnahmen. Man habe aus der Situation gelernt, und die Polizei werde nachts verstärkt kontrollieren.

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