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BND

08.02.2011

Gesuchter NS-Kriegsverbrecher stand in Diensten des Bundesnachrichtendienstes

Wie jüngst bekannt wurde, beschäftigte der im bayerischen Pullach ansässige deutsche Geheimdienst mit, auch bekannt als "Schlächter von Lyon", einen der bekanntesten Verbrecher des NS-Regimes. Der GeStaPo-Offizier, der unter anderem 41 jüdische Kinder neben tausenden anderen Männern und Frauen nach Auschwitz deportieren ließ, stand 1966 unter dem Decknamen "Adler" als "Agent 43118" gegen eine Monatspauschale von 500 DM, die ihm über eine Filiale der Chartered Bank of London in San Francisco überwiesen wurden, im Dienst der Bundesrepublik Deutschland. Barbie erlangte während des Zweiten Weltkriegs besonders als Berühmtheit, als welcher er sich zunächst in den Niederlanden und in Belgien engagierte, bevor er schließlich nach Frankreich versetzt wurde. Dort sorgte er für die Ermordung des Résistance-Chefs, quälte er angebliche Widerstandsmitglieder mit Elektroschocks oder zwang Frauen zum Geschlechtsverkehr mit Hunden.

Barbie tauchte kurz vor Kriegsende unter. Nach dem Krieg interessierte sich zunächst der US-amerikanische Geheimdienst für Barbie, der wie viele andere ehemalige Nationalsozialisten auch gegen den Kommunismus als neuem Feind eingesetzt wurde. CIC-Agent Robert S. Taylor traf Barbie 1947, nach dem damals bereits gefahndet wurde, und beschrieb ihn in einem Memorandum als "an honest man, both intellectually and personally". Weiterhin versicherte Taylor, dass Barbie konsequent antikommunistisch sei und sich durch die nationalsozialistischen Machthaber verraten geglaubt habe. Im selben Jahr hatte er erstmals Kontakt mit der, Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes. 1950 rekrutierte Barbie im Auftrag der Mitglieder des, der später als rechtsextrem verboten wurde. Da Barbie zu diesem Zeitpunkt von Frankreich bereits in Abwesenheit zu Tode verurteilt wurde und als "Führer der SS-Widerstandsaktion" mit einer Festnahme rechnen musste, verhalfen ihm beide Organisationen zu Geld und einer neuen Identität und brachten ihn 1951 über die so genannte nach Bolivien ins Exil. Auch nachdem die deutsche Justiz in den fünfziger Jahren gegen Barbie ermittelte, rührten sich die Geheimdienste nicht. Stattdessen wurde er 1966, nachdem er 1952 und 1954 jeweils wegen weiterer Verbrechen erneut zu Tode verurteilt worden war, als Agent rekrutiert, der im Zusammenhang mit der Revolution und eingesetzt wurde. Eventuell lieferte er auch die Hinweise, die zur Ergreifung Guevaras führten. 1967 wurde Barbie, dessen "kerndeutsche Gesinnung" vom BND zuvor gelobt wurde, als Agent abgeschaltet. Erst 1983 wurde Barbie schließlich, gegen Waffenlieferungen durch Frankreich, von Bolivien ausgeliefert und in Lyon zu lebenslanger Haft verurteilt, in welcher er 1991 schließlich auch starb.

In der Zwischenzeit lebte er in Südamerika unter dem Namen Klaus Altmann, der dort ein Sägewerk betrieb. Insbesondere während des Vietnamkrieges belieferte er den Ingelheimer Pharmaziehersteller mit und kam so in das internationale Geschäft. Mit seinem Pass bereiste er die Welt und kam mehrfach unerkannt nach Hamburg, wo seine Firma eine Zweigstelle besaß. Als Marine-Ingenieur verkaufte er nach dem Sechs-Tage-Krieg Kriegswaffen und Panzer aus Deutschland und Österreich an das mit einem Waffenembargo belegte Israel.

Barbies BND-Vergangenheit wurde durch den Mainzer Historiker Peter Hammerschmidt aufgedeckt, der zufällig im Rahmen seiner Examensarbeit darauf stieß, die sich eigentlich mit den Beziehungen Barbies zu den US-Geheimdiensten beschäftigt. In diesem Kontext beantragte er Akteneinsicht beim BND, die ihm abgelehnt wurde. Erst nachdem er sich daraufhin beim Bundeskanzleramt beschwerte, wurde ihm Akteneinsicht gewährt. Während sich die USA inzwischen offiziell beim französischen Volk für den Schutz Barbies entschuldigt haben, hüllt sich der deutsche Bundesnachrichtendienst weiter in Schweigen. Erst im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass auch, der Organisator des Holocausts, vom Bundesnachrichtendienst gedeckt wurde.

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