C6 MAGAZIN
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ASTRONOMIE 15.6.2003

Sterngucker

30. Juni 1908: Mitten in der sibirischen Taiga liegt das Epizentrum einer mächtigen Explosion, die 21.000 Quadratkilometer Fläche zerstörte. Weder Mensch noch Tier blieben von dem Unglück verschont. Was war geschehen?
Komet mit hellem Schweif
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Komet mit hellem Schweif
Die Sprengkraft der Explosion war höher als die der Hiroshimabombe. Noch im Umkreis von einigen hundert Kilometern riss es Menschen zu Boden, Fenster splitterten, und es breitete sich eine gewaltige Hitzewelle aus. Tagelang verdunkelte sich der Himmel nicht. Anfangs wusste niemand, was wirklich im Herzen Sibiriens geschehen war, die Spekulationen reichten weit. Angriff eines verfeindeten Landes? Der Test einer neuen Superwaffe? Nein. Ein Meteoriteneinschlag hatte die Erde heimgesucht.

Damit die Menschheit nicht eines Tages das gleiche Schicksal erleidet wie damals die Dinosaurier, erforschen studierte Astronomen und ihre Laienkollegen den Himmel. Schon seit mehr als zehntausend Jahren versuchen die Menschen, das Universum zu begreifen. Sterne, fremde Planeten, weit entfernte Galaxien.

In früheren Jahren war all das den Gebildeten vorbehalten. Religiöse Vorstellungen vermischten sich mit der Wissenschaft. Schon die alten Ägypter richteten den Blick in den Himmel, bauten sogar das Sternbild des Orion auf der Erde nach. Die Cheopspyramide und ihre zwei kleinen Begleitpyramiden sind exakt nach dem damaligen Himmelsstand dieser auserwählten, sehr hellen Sterne angeordnet.

In der heutigen Moderne gibt es mehr und mehr Hobbysternegucker, die ohne teure Ausrüstung und Vorbildung genaueste Daten professioneller Qualität über explodierende Sterne, Umlaufbahn, Geschwindigkeit und Gewicht von Meteoren liefern. Übrigens der einzige Zweig der Wissenschaft, an dem sich auch Amateure beteiligen können. Denn es ist nicht wichtig, wer diese Daten sammelt, sie müssen nur genau sein. Meist verfügen sie ohnehin über einen technisch gleichwertigen Standard wie die Profis, die auf Nutzungszeiten der Teleskope angewiesen sind. Um Gestirne und Firnamente am Himmelszelt zu beobachten ist eine Ausrüstung kaum notwendig. Doch um in die Weiten entfernter Galaxien hineinzuschauen, sind solche Geräte ein Muss.

Sternbild
Eine mehr oder weniger willkürlich zusammengefaßte Gruppe hellerer Sterne, die aber nichts weiter physikalisch miteinander zu tun haben als daß sie von uns aus gesehen in der selben Richtung zu sehen sind.
    
 
Die Verarbeitung der Sternendaten erfolgt am heimischen Computer. Es gibt viele Programme, die die langen Berechnungen anstellen und mit vorherigen Rechenergebnissen vergleichen. Über Monate, manchmal über Jahre hinweg werden einzelne Sterne und Planeten von verschiedenen Plätzen aus simultan beobachtet. Nur so können Schlüsse darüber gezogen werden, ob die Asteroiden eine wirkliche Gefahr für die Erde darstellen, wohin sie sich mit welcher Geschwindigkeit bewegen. Hand in Hand mit den Profis erarbeiten sie Sternbilder, Karten und suchen am Himmel nach Spuren von Veränderungen und dem Auftauchen neuer Lichtpunkte. Leider ohne viel öffentliche Anerkennung.

Mit der Entdeckung einer Supernova schrieb der Brite Marc Armstrong Geschichte. Eine Supernova ist die Explosion eines massiven Sterns. Die Helligkeit eines Sterns ist immer gleich, man sagt, je schwächer das Leuchten, desto länger liegt das Ereignis in der Vergangenheit. Durch die Differenz des auf der Erde ankommenden Lichts kann man die Entfernung berechnen. Also je weiter man in die Galaxien eintaucht, desto früher muss man in der Zeit zurückgehen. Diese enormen Explosionen setzen Strahlung frei, sogenannte Gammastrahlen. Die dort freigesetzte Kraft ist stärker als alle vorangegangenen Phänomene, die sich ein Mensch vorstellen kann. Passiert vor Milliarden von Jahren.

Leoniden

Der aktivste Meteorstrom der letzten Jahrhunderte waren die Leoniden. Helle Lichtpunkte, die plötzlich am Himmel erscheinen und dann verglühen. Es tauchen immer einmal wieder solche Sternschnuppen auf, doch die Leoniden sind ein wahrer Regen dieser Glücksbringer (nicht vergessen, wenn man eine Sternschnuppe am Himmel sieht, darf man sich etwas wünschen). Den letzten Leonidenschauer gab es im Jahr 2002. gegen fünf Uhr morgens in der Frühe flitzen über eintausend dieser Lichtpunkte über den Himmel. Ein wahres Spektakel für Astronomen, Hobbyastronomen und Romantiker. Das nächste Leonidenereignis findet im Jahr 2099 statt. Wir werden es wohl alle nicht mehr erleben.

Der Name Leonid entstammt dem Namen des Sternbildes, aus dem es hervorgeht. Leo, der Löwe. Leonidenereignisse gehen aus dem Sternbild des Löwen hervor. Jede Art von Sternschnuppen trägt somit stolz ihren eigenen Namen.

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Dank für das Foto an Matthias Z. von Astrotreff
rk
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Artikel vom 15. Juni 2003

Weiterführende Links
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Quellenangabe
- Das Rätsel von Sibirien
- Astronomielexikon


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