C6 MAGAZIN
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URLAUB 23.10.2006

Einigkeit und Recht auf Freizeit für das Deutsche Vaterland

Die Deutschen sind seit Jahren unangefochtener Reiseweltmeister. Die beliebtesten Reiseländer sind Österreich, Spanien und Frankreich. Jedes Jahr geben die Bundesbürger 58 Millarden Euro für ihren Urlaub aus und das, obwohl die Nachrichten ein konstant schlechtes Bild von Deutschland zeichnen und praktisch wöchentlich Meldungen vom Abbau tausender Stellen kommen. Können wir uns das Reisen künftig noch leisten oder ist in Zukunft nur noch ein Urlaub auf Balkonien drin?
Alpenidylle statt Karibikstrand - Der Urlaub der Zukunft?
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Alpenidylle statt Karibikstrand - Der Urlaub der Zukunft?
Schon Goethe ist durch Italien gereist und Alexander von Humboldt hat sich quer durch den Urwald Südamerikas geschlagen. Ihre Nachfahren fallen in solchen Massen auf den Balearen, in Italien und Frankreich ein, dass Mallorca oft als 17. Bundesland Deutschlands bezeichnet wird. Aber was treibt die Deutschen in die Ferne? Ein Ausbruch aus Tristesse deutscher Städte oder eher ein Ausdruck von freiwilliger Wissensbildung im Ausland?

Urlaub ist in Deutschland ein essentieller Teil des sozialen Lebens. Jeder kennt das Prozedere: Kaum kommen die Familien nach den Ferien wieder zurück beginnt auch schon der Wettstreit, wer am weitesten weg war, wer das beste Hotel hatte und wer die schönsten Ferien hatte. Wer seinen wohlverdienten Urlaub daheim verbracht hat, um mal wieder so richtig auszuspannen gilt als Geizhals, verschroben oder seltsam – gesellschaftlich auf jeden Fall nicht tragbar. Der Urlaub ist nach dem Auto wohl das wichtigste Statussymbol.

Andere Länder andere Sitten

Der Blick über die Landesgrenzen zeigt deutliche Unterschiede in den Urlaubskulturen. Wieso sind die Deutschen Reiseweltmeister? Ein Grund ist, dass wir so viel Urlaub haben, nämlich durchschnittlich 28 Tage. Wir arbeiten dementsprechend auch "nur" etwa 1.340 Stunden jedes Jahr. Die US-Amerikaner arbeiten hingegen 1.830 und die Japaner sogar 1.840 Stunden pro Jahr. Diese und etliche andere Länder haben mindestens genauso viel und eher mehr Geld als wir, haben aber meist nicht die Zeit für ausgiebige Fernreisen und beschränken sich auf kürzere Reisen oder nähere Ziele. Irgendwie scheint es den Teutonen aber auch stärker ins Ausland zu ziehen als alle anderen Völker dieser Erde.

Ist Deutschland für Deutsche so unattraktiv? Wieso nicht ein schönes Wochenende an der Nordsee oder im bayrischen Wald? Österreich als liebstes Reiseland zeugt doch von einer eher ablehnenden Haltung allzu viel Neues im Urlaub kennen zu lernen. Deutsche Reisende zeichnen sich auch in anderen Ländern dadurch aus, dass sie möglichst nichts einheimisches Essen, Kultur nur fotografieren, aber nicht verstehen wollen und sich in keinerlei Beziehung auf ihr Gastland einstellen – so zumindest die gängigen Vorurteile.

Wie passt das nun zur aktuellen Erkenntnis, dass es in Deutschland inzwischen eine neue Unterschicht gibt. Mit dieser Unterschicht wird es in Zukunft eine große Gruppe der Gesellschaft geben, die sich einen Urlaub mit Fernreise nicht mehr leisten kann. Aber auch für die besser situierten geht es in eine Zukunft, die längere Reisen schwierig macht. Zunehmend wird der wirtschaftliche Druck größer, die Zahl der Urlaubstage zu verringern. Einige Feiertage mussten schon weichen und kaum noch jemand traut sich wegen einer nicht massiven Krankheit seinem Job fernzubleiben oder seine volle Anzahl Urlaubstage auszuschöpfen. Dieser Trend wird sich sicher fortsetzen.

Wiederentdeckung der Ostsee

In Zukunft müssen wir uns also wahrscheinlich auf weniger Urlaub einstellen, und viele werden sich Fernreisen nicht mehr leisten können. Entweder, weil sie nicht das nötige Geld dazu haben oder nicht mehr genügend Zeit. Kurzreisen sind der Trend der Zukunft und Reiseziele innerhalb Deutschlands werden zunehmend attraktiver. Kurz gesagt passen wir unsere Reisegewohnheiten langfristig an ein gesundes Mittelmaß an und werden vielleicht einsehen müssen, dass wir auch in dieser Beziehung bisher über unsere Verhältnisse gelebt haben.
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Artikel vom 23. Oktober 2006

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