C6 MAGAZIN
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GEWALT 23.6.2006

Stalking, der gelebte Alptraum

Die neue Form der Gewalt heißt Stalking. Neu sind hierbei jedoch eher die Aufmerksamkeit der Bevölkerung sowie die Gesetzgebung in Deutschland. Das Phänomen des Psychoterrors wurde bereits Ende der 80er-Jahre durch Stars wie Steffi Graf bekannt, betrifft allerdings überwiegend nicht-prominente Personen. Zwei Beispiele von vielen sind Oliver* und Angela*.
Stalking löst bei vielen Opfern permanente Angstzustände und Panikattacken aus. Oftmals hilft ihnen nur noch eine Flucht vor ihrem eigenen Leben
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Stalking löst bei vielen Opfern permanente Angstzustände und Panikattacken aus. Oftmals hilft ihnen nur noch eine Flucht vor ihrem eigenen Leben
Oliver, 29 Jahre, ist Fernsehmoderator. Fünfmal die Woche strahlt er in die Kamera und unterhält die Zuschauer. Eigentlich ein ganz normaler Job, schwierig wird es erst dann, wenn Fremde glauben den professionellen Entertainer zu kennen. "2003 habe ich die 22-jährige Melanie* kennen gelernt. Wir haben uns ein paar Mal zufällig auf der Straße wieder getroffen und ein wenig geredet. Sie schien recht nett zu sein", erinnert sich Oliver. Damals ging er noch davon aus, dass alle Treffen zufälliger Natur seien. Erst nach einem halben Jahr wurde ihm bewusst, dass Melanie alles plante.

Oliver erwischt Melanie dabei, wie sie ihn heimlich abfangen will und stellt sie zur Rede: "Sie fragte, ob ich es denn nicht auch spüren würde? Es sei Schicksal, dass wir uns begegnet sind. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ein geplantes Treffen kein Schicksal sein kann, doch sie verstand mich nicht. Also sagte ich ihr, dass ich keinen weiteren Kontakt zu ihr wünsche und ging." Oliver dachte, er würde Melanie nie wieder sehen, doch bereits am nächsten Morgen hatte er einen Brief von ihr im Briefkasten. Von nun an war das jeden Tag der Fall, alternativ lagen Blumen oder Geschenke vor seiner Haustür. "Ich habe nichts von dem angenommen und alles liegen gelassen, doch sie hat einfach nicht aufgehört!"

Unterschiedliche Motive

Das Wort "stalking" kann mit dem Wort "jagen" übersetzt werden. Der Stalker jagt nach allen Informationen, die er über sein Opfer finden kann. Er "pirscht" sich heimlich heran, sucht den ständigen Kontakt. Bei der Mehrzahl der Stalker handelt es sich um ehemalige Partner oder um Personen die von ihrem Opfer abgewiesen wurden. Eine weitere Form ist der intimitätssuchende Stalker, der von seinem Opfer erregt wird und deshalb die Nähe sucht. Der so genannte inkompetente Verehrer ist auf der Suche nach einer sexuellen Beziehung und kann mit Zurückweisungen nicht umgehen. Er versucht seine Wünsche und Umsetzung der Fantasien mit dem Stalking zu erzwingen.

Die Stalker sind stets auf der Pirsch. Sie verfolgen ihr Opfer oft rund um die Uhr - entweder versteckt oder ganz offen
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Die Stalker sind stets auf der Pirsch. Sie verfolgen ihr Opfer oft rund um die Uhr - entweder versteckt oder ganz offen
Als einen ärgergetriebenen Stalker bezeichnet man Personen, die das Gefühl haben, ungerecht behandelt worden zu sein und sich deshalb rächen möchten. Beispiele für mögliche Opfer wären hier Anwälte, Ärzte oder Richter. Ziel dieses Stalkers ist es, sein Opfer zu verängstigen und es zu quälen. Zuletzt ist der sadistische Stalker zu nennen, der es genießt, alles über sein Opfer zu wissen und somit ein Stück Kontrolle über dessen Leben zu haben. In allen Fällen des Stalking geht es nicht um Gefühle oder Liebe, sondern ausschließlich um Macht und Kontrolle über das Opfer.

"Die Unsicherheit nahm zu!"

Im Sommer 2004 hat sich Angela im Alter von 23 Jahren von ihrem langjährigen Freund getrennt. Ihren gleichaltrigen besten Freund Sascha* kennt sie bereits seit der Grundschule. "Sascha stand mir die Zeit nach der Trennung tröstend zur Seite und half mir sehr", erzählt Angela. Nach wenigen Wochen bemerkte sie jedoch eine Veränderung an ihm: "Er wollte auf einmal rund um die Uhr mit mir zusammen sein und wollte nie verstehen, dass ich ihn mal einen Tag lang nicht sehen möchte. Er war einfach permanent in meiner Nähe." Angela fühlte sich belästigt und verstand Saschas Verhalten nicht.

Angela wird von ihrem besten Freund bedrängt: "Man kennt ja diese Sprüche: ‚Du willst es doch auch’. Als ich ihn besuchte ging er auf einmal auf mich los. Er war ganz wild, versuchte mich auszuziehen. Ich wusste nicht was geschieht und schrie ihn an! Ich konnte mich schließlich befreien und rannte nach Hause." Dort lässt Angela die Vergangenheit Revue passieren und kommt zu dem Ergebnis, dass Sascha wohl schon immer in sie verliebt war. "Vieles sprach dafür, nicht zuletzt, dass er meine Freunde niemals mochte. Er hat sie immer schlecht gemacht, wahrscheinlich aus Eifersucht. Ich konnte einfach nicht fassen, dass ich dies all die Jahre nicht gemerkt habe."

Belästigung der Umgebung

Bei Oliver ging die Belästigung so weit, dass selbst seine Familie von Melanie belästigt wurde. Telefonterror und über 50 E-Mails am Tag wurden zur Normalität. "Einmal stand sie direkt vor meiner Wohnungstür, weil ihr ein Nachbar geöffnet hatte. Nach diesem Vorfall habe ich die anderen Bewohner informiert und sie haben von da an alle ein Auge auf das Mädchen gehabt, das sogar vor unserem Haus übernachtet hat." Eines Tages ist es soweit: Melanie hält die Ignoranz nicht mehr aus und versucht die Haustür aufzubrechen. Ein Nachbar erwischt sie und ruft die Polizei. Als Oliver hinzu kommt, entscheidet er sich gegen eine Anzeige: "Ich hatte Mitleid mit ihr. Sie erhielt dann lediglich einen Platzverweis."

Zu Fuß oder mit dem Auto: Der Stalker lernt den Tagesablauf des Opfers um Kontrolle über dessen Leben zu erlangen
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Zu Fuß oder mit dem Auto: Der Stalker lernt den Tagesablauf des Opfers um Kontrolle über dessen Leben zu erlangen
Angela suchte die Aussprache mit Sascha. Dieser begann jedoch nur damit, sie bei ihren gemeinsamen Freunden schlecht zu reden. "Ich sei eine Schlampe und habe meinen Freund betrogen. Er wusste genau, dass ich so etwas niemals tun würde und unsere Trennung andere Gründe hatte." Sascha gelang es tatsächlich, dass ihre Freunde sich von ihr abwandten. Er wusste, dass er nun der einzige "Freund" war und hoffte sie somit für sich gewinnen zu können. "Mir wurde alles zu viel: dauernd E-Mails, Anrufe, Klopfen, Klingeln und Tritte gegen die Wohnungstür. In einer Nacht- und Nebelaktion packte ich meine Sachen und zog mit Hilfe meiner Eltern um. Ich hielt es nicht mehr aus, dass er jeden Tag vor meiner Tür lauerte - ich traute mich nicht mal mehr in die Uni."

Schädigung der Gesundheit

Nach ihrem Umzug in eine kleine Wohnung am anderen Ende der Stadt ging es Angela besser. Sie ließ sich eine Geheimnummer geben und nahm Kontakt mit ihren alten Freunden auf um alles zu erklären. Die Kopfschmerzen und Angstzustände, die sie während der Zeit des Stalkings hatte, gingen nach ein paar Monaten wieder weg. Insgesamt wurde sie etwa ein halbes Jahr von Sascha belästigt, wobei sich viele Stalking-Fälle weit über zwei Jahre ziehen können.

Einer Umfrage zu Folge haben die meisten Stalker einen höheren Schulabschluss, teilweise sogar ein beendetes Studium vorzuweisen. So war es auch bei Melanie und Sascha der Fall, denn beide studierten. Melanie stieg Oliver fast acht Monate hinterher und meldete sich nie wieder nach der Begegnung mit der Polizei. "Manchmal habe ich heute noch das Gefühl beobachtet zu werden, wenn ich mich draußen bewege. Aber das ist wohl die Schattenseite des Show-Business. Schlimmer finde ich es, wenn Menschen von ihren früheren Partnern bedrängt werden, also Menschen, die sich nicht für ein Leben in der Öffentlichkeit entschieden haben", sagt Oliver.

Angela hat aus ihrer Erfahrung viel gelernt: "Ganz wichtig ist es, dass man dem Täter keine Aufmerksamkeit schenken darf. Jede kleinste Kontaktaufnahme sieht er als Motivation an, weiterzumachen. Ich kann jedem Betroffenen raten, den Täter vollkommen zu ignorieren und eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Ich habe selbiges auf Raten meiner Eltern gemacht und bin glücklich über diese Entscheidung. Heute kann ich wieder normal leben - ohne Angst verfolgt zu werden!"

*) Namen von der Redaktion geändert
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Artikel vom 23. Juni 2006

Weiterführende Links
- Forum für Betroffene: http://www.stalkingforum.de
- Stalking im Internet: http://www.cyberstalking.at
- Stalking-Forschung: http://www.stalkingforschung.de

Kommentare über Gewalt

Detektei Murana am 05.10.2006:
Stalking ist eine sehr ernste Sache.
Täter schrecken meist vor nichts zurück.Sie gehen oft über die Grenzen des erträglichen.
Wir haben oft solche Aufträge bewältigt in den wir helfen konnten.Wichtig ist es nur den Stalker nicht zu unterschätzen.Keine Beachtung schenken ist ja ok aber das kann auch dazu führen das der Stalker aggresiv wird. Also bitte Vorsicht.
htttp://ww.detektei-murana.de


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