C6 MAGAZIN
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STäDTE 14.6.2006

Sevilla, das Wunder von Spanien

Sevilla, die im Südwesten Spaniens gelegenen Hauptstadt Andalusiens, Stadt des Flamencos und Stierkampfs. Doch die Stadt die auch als wärmste Stadt Europas gilt hat noch mehr zu bieten. Ist man zum ersten Mal dort, wird man augenblicklich vom Charme dieser vielseitigen Stadt eingenommen, die nicht zuletzt durch ihre wandlungsreiche Geschichte einen nahezu magischen Charakter erhält. Schon der legendäre Don Juan zog von hier los um die Herzen der Frauen zu erobern.
Orangenbaum vor einem Haus mitten im Stadtviertel Santa Cruz. Die orangen Früchte in der Stadt verleihen ihr ein ganz besonderes und ansprechendes südländisches Flair.
© LISA MAYER
Orangenbaum vor einem Haus mitten im Stadtviertel Santa Cruz. Die orangen Früchte in der Stadt verleihen ihr ein ganz besonderes und ansprechendes südländisches Flair.
Die heute rund 700.000 Einwohner zählende Stadt Spaniens gilt als eine der schönsten Städte des Landes. Der Legende nach wurde Sevilla von dem griechischen Helden Herakles gegründet. Die Region Andalusiens kam zum Vorsprung als zu Beginn des 8. Jahrhunderts die Mauren einmarschierten und diesen südlichen Teil Spaniens für vier Jahre zum Herzen Arabischer Kultur machten. Vor allem Sevilla wurde in dieser Zeit zu einer wichtigen Stadt, in denen sich Kunst und Wissenschaft weiterentwickelten und arabische Herrscher eindrucksvolle Denkmäler errichteten. Die maurische Architektur macht einen ganz besonderen Reiz der Stadt aus und trägt maßgeblich zu ihrem magischen Flair bei.

1492 wurde Sevilla wieder Hafenstadt. Kolumbus machte sich von dem nahe der Stadt gelegenen Hafen von Palos auf, um neue Welten entdecken. Von vielen Dingen, die als typisch Spanisch angesehen werden, kann man den Ursprung oder Gebrauch tatsächlich hier finden: Stierkämpfe, Flamenco, spanische Gitarrenmusik, den Spanischen Fächer oder aber Tapas. Letztere sind im Spanischen ursprünglich Deckel, die früher zum Abhalten der Fliegen auf das gekühlte Weinglas gelegt wurden. Heute geht es dabei eher um kleine herzhafte Leckereien oder gar erlesene Delikatessen. Die Sevillaner preisen sich heute noch als Erfinder der berühmten spanischen Spezialität.

Bruderschaften in Spanien

Die Semana Santa ist ein christlicher Brauch, der in Spanien in der Woche vor Ostern, der Karwoche, praktiziert wird. Die Feierlichkeiten dieser Woche sind die bekanntesten und bedeutendsten in ganz Spanien. Im 14. Jahrhundert entstanden erste Bruderschaften, Hermandades, die Prozessionen veranstalteten, bei denen sich die Teilnehmer geißelten. Sie bildeten sich in der Regel aus angehörigen einer bestimmten sozialen, Berufs- oder ethischen Gruppe, wie sich auch heute bei den älteren, noch existierenden Bruderschaften an Namen wie Los Panaderos (Bäcker) oder Los Gitanos (Zigeuner) erkennen lässt. Ihre Mitglieder wurden nazarenos genannt und trugen an Klu-Klux-Klan-Kluften erinnernde Kapuzenmäntel. Der Ursprung der Heiligen Woche liegt im Jahr 1521.

Die Gärten des Alcazar
© LISA MAYER
Die Gärten des Alcazar
1604 wurde der Grundstein für den Kreuzweg gelegt, der noch heute üblich ist. Um die öffentlichen Geißelungen in regelte Bahnen zu lenken, wurde festgelegt, dass alle Bruderschaften Sevillas auf ihrem Bußweg die Kathedrale besuchen müssen und die aus Triana stammenden die Parroquía de Santa Ana. Ende 19. Jahrhunderts, Anfang 20. Jahrhunderts bildete sich die Semana Santa in ihrer heutigen Form. Die katholische Kirche bemühte sich in dieser Zeit um die Stärkung der christlichen Rituale in der Gesellschaft. Verschiedene Gemeinden entdeckten die touristische Anziehungskraft der traditionellen Prozessionen und subventionierten die Hermandados zur Erhaltung der Tradition.

Die drittgrößte Kathedrale der Welt

Die mitten in der Stadt gelegene Kathedrale Sevillas ist die größte gotische Kathedrale Europas und gilt außerdem als eine der schönsten. Allerdings bricht noch weitere Rekorde: Sie gilt als Kathedrale mit dem größten Grundriss der Welt. Nach dem Petersdom und St.Paul’s Cathedral ist sie außerdem die drittgrößte Kirche der Welt. Ein gewaltiges Bauwerk mit fünf Kirchen- und zwei Nebenschiffen, die ihrerseits in acht Kapellentrakte unterteilt sind. Ungewöhnlicherweise fehlt hier der bei gotischen Kirchen sonst übliche Kopfteil. Im Südhang steht das pompöse Grab des Christoph Kolumbus. Der Sarkophag des berühmten Seefahrers ruht auf den Schultern von vier männlichen Gestalten, die vier Königreiche der spanischen Krone zur Zeit von Kolumbus‘ Reise darstellen, Kastilien, León, Navarra und Aragonón. Es wird allerdings bezweifelt, dass Kolumbus hier wirklich begraben liegt. Fest steht, dass das Grabmal nach dem Verlust der Kolonie Kubas hierher gebracht wurde. Seine Gebeine vermutet man in Santo Domingo.

Innenhof im Alcazar
© LISA MAYER
Innenhof im Alcazar
Die einstige Moschee, die vorher an Stelle der Kathedrale stand, wurde bis auf ihr Minarett abgerissen. Es bekam einen Aufbau für die Glocken und ist jetzt die Giralda, das Wahrzeichen Sevillas. Die Grundmauern des Glockenturms sind quadratisch angeordnet, jede Seite rund 13 Meter lang. Was uns heute als Einheit erscheint, ist das gelungene Resultat von zwei aufeinander gesetzten Bauwerken, die in Stil und Zeit weit auseinander liegen. Die bronzene Spitze ist eine drehbare Wetterfahne. Von der Giralda aus wurde im 19. Jahrhundert zur Verteidigung der Kathedrale geschossen. Man kann den Aussichtsturm daher bequem erreichen: Statt Treppen hat er eine stufenlose Rampe, die für die Pferde kein Hindernis bedeutete.

Königspalast in der Altstadt

Nicht weit von der Kathedrale entfernt in der Altstadt Santa Cruz liegt der maurische Königspalast Alcázar. Zwar sieht dieser orientalisch aus, stammt aber aus christlicher Zeit. Hier empfing die katholische Königin unter anderem den Seefahrer und Entdecker Kolumbus. Das Denkmal mit der Schutzherrin der Seefahrer könnte keinen besseren Standort haben. Heute ist das obere Geschoss Residenz des Spanischen Königs und daher nur das untere Geschoss und der Garten zur Besichtigung freigegeben. Die Gartenanlagen des Palastes weisen in ihrem Entwurf viele typisch maurische Elemente auf, darunter Springbrunnen, Teiche, Buchsbaumhecken und kleine Orangenbäume. Diese verspielten Elemente verbinden sich auf wunderbare Weise mit der geometrischen Strenge eines Renaissanceparks. Die Gärten bilden eine wunderbare Oase für die Stadt, in der es ansonsten kaum ruhige Plätze gibt.

Obwohl Sevilla zu einem der bedeutendsten Geschäfts- und Industriezentren aufgestiegen ist, hat sich die Stadt mancherorts ihr romantisches, fast ländliches Flair bewahrt. Dies gilt vor allem für das Altstadtviertel Santa Cruz mit seinen engen, verwinkelten Gassen, in denen häufig der Hufschlag der Pferdefuhrwerke erschallt. Dieser im historischen Zentrum gelegene Stadtteil war früher einmal das jüdische Viertel. Hinein gelangt man durch einen kleinen Gang in einer Ecke des Patio de las Banderas, einem weiteren schönen und ruhigen Platz mit Orangenbäumen. In diesem Winkel erfüllen sich einige klischeehafte Vorstellungen Sevillas: überall trifft man hier auf die typischen durch schmiedeeisernen Tore abgeschlossen und Schatten spendenden Innenhöfe. In den Sommermonaten herrscht in den engen Straßen mit den ebenfalls typischen kalkweißen Häusern angenehme Kühle und Ruhe - bis sich am späten Nachmittag langsam die Bars und Restaurants füllen. Unverändert gilt der alte Spruch: "Der, der Sevilla nicht gesehen hat, hat kein Wunder gesehen"
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Artikel vom 14. Juni 2006

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