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TODESSTRAFE 30.3.2006

"In welcher Farbe wollen Sie sterben?"

In Deutschland gab es die Todesstrafe bis zur Erneuerung des Grundgesetztes im Jahr 1949. Heute gibt es sie noch in etwa 75 Staaten, wird allerdings nur noch in wenigen davon angewandt. Zu diesen wenigen gehören die Vereinigten Staaten von Amerika, 2005 wurden dort über 50 Menschen hingerichtet.
Der erste elektrische Stuhl. Durch diesen wurde William Kemmler 1890 hingerichtet.
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Der erste elektrische Stuhl. Durch diesen wurde William Kemmler 1890 hingerichtet.
Der 15-jährige Troy lebte mit seiner Familie in San Antonio, Texas. Eigentlich war er kein auffälliger Junge, überfiel jedoch eines Tages eine ältere Dame. Er raubte sie aus und tötete sie anschließend. Warum? "Einfach nur aus Spaß, aus Langeweile." Eine erschreckende Aussage, die ihn in eins der amerikanischen Gefängnisse brachte. Troys Gerichtsprozess kam und damit auch das Urteil: Todesstrafe. Was in den USA nicht allzu ungewöhnlich war, sorgte in vielen anderen Ländern für Diskussionen. Bereits ein halbes Jahr nach der Verurteilung musste Troy den Mord mit seinem Leben bezahlen. Erst 2005 wurde in den USA ein Gesetz erlassen, welches die Hinrichtung Minderjähriger untersagt.

Nachdem Angeklagte zur Todesstrafe verurteilt sind kommen sie in den Todestrakt. Dort verbringen sie die Zeit bis zur Vollstreckung des Urteils in einem kleinen Raum in dem sie sowohl essen und schlafen, als auch auf die Toilette gehen. Aus hygienischen Gründen ist die Rasur einer Glatze Pflicht. Besuch ist lediglich einmal im Monat gestattet - allerdings wird dieser auch nur hinter einer Glasscheibe empfangen, die Kommunikation wird durch ein Telefon ermöglicht.

Verweigern des Tötens

Die Giftspritze, der Galgen, das Erschießungskommando oder aber der wohl am meisten bekannte elektrische Stuhl - an Möglichkeiten, das Leben der Verurteilten auszulöschen, mangelt es nicht. An Gleichberechtigung schon eher. So wurde in den USA beispielsweise noch kein Weißer für den Mord an einem Schwarzen zum Tode verurteilt – umgekehrt ist dies jedoch häufig zu verzeichnen. Diese Tatsache deutet auf eine noch immer beständige Rassendiskriminierung hin. Nur sehr selten kommt es vor, dass Ärzte, wie Anfang 2006 geschehen, die Hinrichtung durch die Giftspritze verweigern und der Gefangene somit einen Aufschub erhält.

Wenige Stunden vor der Hinrichtung müssen sich die Verurteilten 13 Fragen stellen, jede davon sollen sie beantworten: Verstehen Sie, was mit Ihnen geschehen wird? Haben Sie Fragen? Was möchten Sie bei Ihrer letzten Mahlzeit essen? Möchten Sie noch etwas sagen, bevor sie sterben? Was sollen wir mit Ihrer Leiche machen? Wem vererben Sie Ihren Besitz? Wem vererben Sie Ihr Geld? Wer wird bei Ihrer Hinrichtung dabei sein? Wissen Sie, was wir von Ihnen erwarten? Fühlen Sie sich wohl? Wenn nicht, was können wir tun? Falls Sie keinen Aufschub erhalten, mit wem möchten Sie telefonieren? Welche Farbe soll die Kleidung haben, in der Sie sterben?

Trotz der Verurteilung zum Tod versucht das Personal im Gefängnis den Betroffenen die letzten Wünsche zu gewähren. Eine Einschränkung in Bezug auf die so genannte Henkersmahlzeit sind jedoch alkoholische Getränke und Tabakprodukte. Durch die gestellten Fragen und meist respektierten Wünsche versucht man den Gefangenen den letzten Weg so angenehm wie möglich zu gestalten.
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Artikel vom 30. März 2006

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