C6 MAGAZIN
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KOREANISCHE LITERATUR 30.11.2005

"Das Haus auf dem Weg" von Lee Hye Kyoung

In dem Roman von Lee Hye Kyoung geht es um eine Familie, die durch den despotischen Vater in ihrem Sein bestimmt wird und sich durch ihn an die Familie gefesselt sieht. Schon hier sieht man die Unterschiede zur europäischen Kultur sehr gut. Aus unserer Sicht, gibt es diese Gebundenheit nicht. Sie thematisiert die Konflikte zwischen den Familienmitgliedern und deren innere Abspaltung.

© PENDRAGON VERLAG
Die Autorin von "Das Haus auf dem Weg" skizziert episodenhaft das Leben einer koreanischen Familie. Die Familie von Herrn Kiljung. Der Leser wird mit dem Schicksal der Familie konfrontiert. Das Wechselspiel von Actio und Reactio wird in diesem Werk stark thematisiert. Alles in der Erzählung bezieht sich auf den Konflikt, der von dem verbitterten Vater ausgeht und sich auf seine "Familie" überträgt. Dies geschieht über eine Zeitspanne von 20 Jahren. Ihr Hauptaugemerk liegt dabei auf der Schilderung der Schicksale aus unterschiedlichen Perspektiven. Ihre multiperspektivische Erzählweise erzeugt eine Nähe zu den einzelnen Hauptfiguren und gibt dem Leser die Chance mitten ins Leben der Beschriebenen zu blicken und sich einen direkten Eindruck zu verschaffen. Der Einblick in das Leben der Protagonisten ist sensibel und führt zentral in die Gefühlswelt der Familienmitglieder. Diese Sichtweite ist manchmal bedrückend fremd und doch so verständlich nachvollziehbar. Es ist fast wie eine Innenschau, die sie nach außen kehrt.

Ausgangspunkt der Geschichte ist der despotische Vater, mit dem auch die Geschichte beginnt. Dieser engt seine Familie ein und unterwirft sie seinem Willen. Fast alle Mitglieder der Familie sind in ihrem Sein durch ihn festgelegt. Sie schaffen es nicht sich aus dem Familienverbund zu lösen und ihr Leben selbstständig zu definieren.

Netzwerk aus Familie und Zwang

In Asien sind die Familienbande enger und noch vorbestimmter, im Vergleich zur westlichen Lebensweise. Dort hat die Familien viel mehr Bedeutung und das Familienoberhaupt ist Dreh und Angelpunkt. Das Netzwerk aus Familie spinnt sich weitläufig als in westlichen Kulturen. Dem Willen des Familienvorstandes wird kaum widersprochen, auch wenn dies bedeutet, dass das eigene Leben unfrei und fremdbestimmt ist. Es zeichnen sich mittlerweile Unterschiede zwischen ruralen und urbanen Familien ab. In Städten passen sich die Menschen mehr und mehr den westlichen Lebensstilen an.

Lee Hye Kyoung wird 1960 geboren und ist das jüngste von acht Kindern. Sie wächst in der Provinz Chungnam auf. Mit 22 Jahren schrieb sie, als Studentin, ihr erstes Buch. Mittlerweile ist sie 45 Jahre alt.  Für ihr Werk ?Das Haus auf dem Weg? erhielt sie mehrere Literaturpreise, darunter den LiBeraturpreis in Detuschland. Ihr zentrales Thema  ist die ?Familie? in der modernen koreanischen Gesellschaft.
© PENDRAGON VERLAG
Lee Hye Kyoung wird 1960 geboren und ist das jüngste von acht Kindern. Sie wächst in der Provinz Chungnam auf. Mit 22 Jahren schrieb sie, als Studentin, ihr erstes Buch. Mittlerweile ist sie 45 Jahre alt. Für ihr Werk ?Das Haus auf dem Weg? erhielt sie mehrere Literaturpreise, darunter den LiBeraturpreis in Detuschland. Ihr zentrales Thema ist die ?Familie? in der modernen koreanischen Gesellschaft.
Herr Kiljung und seine Frau haben vier Söhne und eine Tochter. Ihre Ehe entstammte keiner Liebesheirat, sondern wurde noch von ihren Eltern arrangiert. Schon früh hat Herr Kiljung das Gefühl, dass sein Leben falsch verläuft. Die Frau, die zu lieben scheint, darf er nicht heiraten. Die Kinder sind Zeugen des Geschehens, wenn er seine Gemahlin verprügelt. Dies prägt die Nachkommen. Dennoch entwickeln sich die Kinder sehr unterschiedlich. Der älteste Sohn ist ruhig und fügsam, der zweite Sohn ist ungehorsam und rebellisch. Die ältesten Söhne stehen in der Gunst des Vaters in direkter Konkurrenz, so zumindest sieht es Hyoki, der Älteste. Immer wird der Zweitälteste, Yunki, ihm vorgezogen. Die anderen beiden Söhne sind ebenso in ihrem Charakter durch den Vater geprägt. Die Tochter ist die Nachzüglerin und bis zum Schluss farblos und bescheiden.

Eingeengt durch Gefühle

Allen Figuren des Buches ist das Gefühl des Gefangensein gemeinsam. Sie fühlen sich unfrei und eingezwängt in ihre Rollen. Durch die Aussichtslosigkeit, in der sich die Einzelnen wähnen, erhält der Roman eine melancholisch Grundstimmung. Sie transportiert die Bedrücktheit und Fremdbestimmtheit. Für unsere Verhältnisse scheint es schier unverständlich, sich dem Schicksal so zu fügen und es einfach geschehen zu lassen. Hierfür ist ein grundlegendes Verständnis der asiatischen Kultur nötig. Dennoch kann der Leser die Situationen, in die die Autorin die Protagonisten führt, nachvollziehen und ein tiefes Verständnis aufbauen. Besondere Tiefe erhalten die Personen durch die Schilderung ihrer seelischen Zustände, durch die man beinahe das Gefühl erhält Teil ihrer Persönlichkeit zu werden. Trotz allem wagt nicht eines der Kinder einen ernsthaften Versuch sich zu lösen. Mitunter bekommt man das Gefühl sie würden sich ihrer Verbitterung hingeben und kampflos ergeben. Ein Ausbruch aus dem Hamsterrad folgt nicht. Das Schicksal des Vaters wiederholt sich in seinen Söhnen.

Behutsamer Blick in die Vergangenheit

Während der Rezeption des Stoffes vermittelt Lee Hye Kyoung behutsam und unaufdringlich die politische Lage, in der sich die Koreaner bis 1988 wähnten. Der Mittlere Sohn, Jonki, schließt sich kurzfristig der studentischen Bewegung an, gibt dies aber bald auf, weil er nicht die Kraft und die Überzeugung hat, sich dem völlig hinzugeben. Auch Hyoki wird von seinem Vater gewarnt nicht zu kritische Äußerungen in der Öffentlichkeit zu tätigen. Nie ist gewiss, welches Ohr wem gehört.

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Koreanische Edition
ISBN 3-8632-018-X
280 Seiten, Festeinband

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Artikel vom 30. November 2005

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