C6 MAGAZIN
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WELTLITERATUR 8.10.2005

"Man lebt nur einmal in der Welt."

Egal ob Frankfurt, Leipzig, Straßburg oder Italien - Schiller, Mozart oder Beethoven: Johann Wolfgang von Goethe reiste oft und gerne, kannte viele Menschen und begeisterte die ganze Welt mit seinen Werken. Der große Durchbruch gelang ihm im Alter von zarten 24 Jahren mit Veröffentlichung des Bestsellers "Die Leiden des jungen Werther".
Johann Wolfgang Goethe - dieses Denkmal zu Ehren Goethes steht in Berlin. In Weimar befindet sich ein Denkmal mit den Freunden Schiller und Goethe
© KARSTEN J. KLEE
Johann Wolfgang Goethe - dieses Denkmal zu Ehren Goethes steht in Berlin. In Weimar befindet sich ein Denkmal mit den Freunden Schiller und Goethe
Geboren wird Goethe 1749 in Frankfurt am Main als Sohn von Johann Caspar und Catharina Elisabeth Goethe. Als Junge begeistert er sich bereits für die Schauspielerei, häufig ist er Gast im französischen Theater im Junghof. Im Alter von 13 Jahren besucht er ein Konzert des damals siebenjährigen Mozart, die Liebe zur Musik begleitet ihn fortan sein Leben lang. Neben dem Unterricht im Reiten und Fechten beschäftigt sich Goethe mit der Literatur, versucht sich sogar an der Übersetzung anspruchsvoller Bibeltexte. Am 30. September 1765 reist er nach Leipzig ab um dort sein Studium der Rechte zu beginnen.

Zu seinen wichtigsten und vor allem einflussreichsten Freunden dort gehört Ernst Wolfgang Behrisch, welchen er 1766 kennenlernt. Es handelt sich um einen äußerst eleganten Hofmeister, den Durchschnittsbürger verachtend und jederzeit spöttisch. Goethe ist von seinem Auftreten beeindruckt, jegliche Versuche ihn nachzuahmen enden jedoch einzig in lachhaften Übertreibungen. Ein Jahr nach ihrer ersten Begegnung wird Behrisch Leipzigs verwiesen: Grund dafür sollen gehäufte Sittenwidrigkeiten sein. Auf Goethe hat er bis dahin jedoch schon großen Einfluss genommen - Behrisch wird für ihn das Urbild des Mephisto.

Kein Selbstmord aus Liebe

Nur von Mai bis September dauert es: zu dieser Zeit des Jahres 1772 hält Goethe sich in Weimar auf. Am Reichskammergericht übt er ein Praktikum aus, dort ist es auch, wo er Charlotte Sofie Henriette Buff kennenlernt. Sie ist es, die er zum Urbild der "Lotte" im bald darauf entstehenden "Werther" machte. Zum Zeitpunkt ihrer ersten Begegnung mit Goethe ist Lotte bereits vier Jahre mit dem Legationssekretär Johann Christian Kestner verlobt. 1770 plante Goethe einen Briefroman, 1774 beginnt und vollendet er ihn innerhalb kürzester Zeit - zum Thema macht er die unerwiderte Liebe zu seiner Lotte und die dadurch erlittenen Qualen. Vorbild für des Werthers Selbstmord wird Carl Wilhelm Jerusalem, welcher sich aufgrund seiner unerwiderten Liebe zu einer verheirateten Frau für den Freitod entschied. Goethe selbst zieht diese Option niemals in Erwägung.

Die goldene Kuppel der Fürstengruft auf dem Weimarer Friedhof: hier wurden Goethe und Schiller bestattet
© KARSTEN J. KLEE
Die goldene Kuppel der Fürstengruft auf dem Weimarer Friedhof: hier wurden Goethe und Schiller bestattet
Cornelia Friederike Christiane Goethe ist Goethes einzige Schwester, da alle anderen Kinder kurz nach der Geburt verstarben. Cornelia ist nur 16 Monate jünger und schon in jungen Jahren beginnt Goethe Muttergefühle für sie zu entwickeln. Die Tatsache, dass er bis ins mittlere Alter unfähig ist, eine ausgewogene Beziehung zu einer Frau zu führen, körperliche Liebe einschließend, führt Psychoanalytiker Kurt Eissler auf eine unterbewusste, inzestuöse Neigung zur Schwester zurück. Goethes Wunsch ist es, dass Cornelia Nonne würde, diese jedoch entscheidet sich im Alter von 23 Jahren für eine Heirat mit Anwalt Johann Georg Schlosser. Die Ehe verläuft unglücklich, wird von Cornelias zunehmender Krankheit überschattet. Mit nur 27 Jahren stirbt sie. Goethe erfährt von ihrem Tod erst nach acht Tagen, für ihn ist dies ein "Dunkler, zerrissener Tag".

Erhebung zum Adel

1782 ist ein bedeutendes Jahr für Goethe. Im Frühjahr beendet er das Trauerspiel "Egmont”, kurz darauf stirbt sein Vater im Alter von 72 Jahren. Im Mai dieses Jahres sorgt Herzog Carl August dafür, dass Goethe in den Adelsstand erhoben. Das Haus am Frauenplan, welches Goethe bis zu seinem Tode bewohnt, wird ihm zunächst vom Herzog vermietet, 1792 schließlich geschenkt. Die Gestaltung des zugehörigen Gartens ist für den Dichter sehr wichtig, er liebt die Nähe zur Natur.

Trotz des Altersunterschiedes von zehn Jahren waren Goethe und Friedrich von Schiller gute Freunde. Sie lernen sich am 20. Juli 1794 in Jena kennen, im August spricht Goethe erstmals von Schiller als "Freund". Trotz allem bleiben beide bis zum Ende bei dem höflich-konventionellen "Sie". Goethe wirkt auf Schiller unglaublich talentiert, er bewundert den älteren Freund. Sie beginnen ihre Werke gegenzulesen, schreiben häufig Briefe und besuchen sich oft wochenlang. Auch ist es Schiller, der darauf drängt das Faustthema weiter auszuarbeiten. Indirekt schreibt er damit Literaturgeschichte. 1805 erkrankt Schiller schwer, den 1. Mai nutzt Goethe um den Freund zu besuchen, acht Tage darauf verstirbt dieser. 1826 nimmt Goethe den Schädel Schillers mit zu sich nach Hause, im Dezember des darauffolgenden Jahres lässt er sowohl den Schädel, als auch die Gebeine Schillers in der Fürstengruft Weimar beisetzen. Er ist es auch, der den einzigen Schlüssel zum Sarg besitzt.

"Mehr Licht!" am Sterbebett

Nach einem Erfolg der Tragödie "Faust” im Jahr 1808 beschließt Goethe eine Fortsetzung zu schreiben. Sein Werk "Faust II” vollendet er im August 1831 ab, das Manuskript wird versiegelt und ist laut ihm erst "nach meinem Tode zu öffnen”. Die Zeit danach verbringt Goethe meist ohne Gesellschaft, auch seinen Geburtstag feiert er nicht im großen Rahmen. Am 16. März 1832 verfasst der talentierte Autor seinen letzten Tagebucheintrag: "Den ganzen Tag wegen Unwohlseyns im Bette zugebracht.” Nur wenige Tage später, am 22. März stirbt Goethe in Weimar. Seine letzten Worte sollen "Mehr Licht!” gewesen sein. Vier Tage darauf wird Johann Wolfgang von Goethe in der Fürstengruft bestattet, in der auch sein Freund Schiller beigesetzt wurde. Noch heute kann man auf dem Weimarer Friedhof die Gruft mit der goldenen Kuppel besichtigen und einem der erfolgreichsten Popliteraten seiner Zeit gedenken.

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Artikel vom 8. Oktober 2005

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