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Die Brüder Karamasow

„Die Brüder Karamasow“ ist ein sehr gutes Buch mit ausgeprägtem Sprachstil. Es geht um Mord, Intrigen, Vergewaltigung und einen Justizirrtum. Mehr als ein Krimi. Die verschiedenen Charaktere beleuchten jede Einzelheit. Für Fans der großen Literatur sehr zu empfehlen.

© DTV
Diesen Roman von Fjodor Michailowitsch Dostojewski kann man unmöglich in einigen Sätzen beschreiben. Es ist ein wahrer Wälzer. Über eintausend Seiten, durch die sich der Leser durchkämpfen muss. Trotz der ellenlangen religiösen Abhandlungen, die so tiefgründig sind, dass man sich leicht darin verheddert, kehrt der Autor immer wieder mit einem geschickten Schriftzug zum Ausgangspunkt der Handlung zurück. Um alles zu verstehen, ist es manchmal notwendig, einige Textstellen mehrmals zu lesen. Darum sollte man sich viel Zeit nehmen.


Das Leben des Fjodor Pawlowitsch Karamasow zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, der Leser kann sich immer daran festhalten. Selbst, als dieser im Buch schon längst nicht mehr existiert.

Fjodor ist ein Mann, der es versteht, zu leben. Trinken, herumhuren und Geld sammeln sind seine Leidenschaften. Dabei weiß er wohl selbst nicht so recht, was er eigentlich vom Leben noch zu erwarten hat. Denn er ist angeblich in Gruschenka verliebt, die sich aber mir Dmitrij, einem seiner drei Söhne, abgibt. Für die gemeinsame Zukunft mit Gruschenka benötigt Dmitrij aber Geld. Und Fjodor möchte Dmitrij, dem das Geld eigentlich zusteht, nicht aushändigen. Gruschenka wiederum spielt aus Angst mit, doch erträumt sie sich ein Leben mit einem geheimnisvollen Liebhaber, der erst zum späteren Ende auftaucht, was auch noch für Verwirrung sorgt.

Aljosha ist ein ruhiger und besonnener junger Mann, das genaue Gegenteil von Dmitrij, seinem Bruder. Er hat sein Leben dem Glauben gewidmet und lebt im Kloster mit Mönchen zusammen. Er führt dort ein bescheidenes Leben, das völlig aus der Bahn geworfen wird, als verschiedene Dinge geschehen, bei denen er in gutem Glauben zu vermitteln versucht. Doch am liebsten würde er die Augen vor allem verschließen und sich in seiner Zelle einsperren.

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Der Starez Sosima, der kirchliche Vorgesetzte Aljoshas, ist eher jemand, der charakterlich nicht in ein Extrem verfällt, obwohl man es sich von ihm, einem schon fast als Heiligen verehrten, am besten vorstellen könnte. Er vereint den Glauben mit dem, was in der Welt vor sich geht, er öffnet den Menschen die Augen und regt sie an, mit klarem Kopf zu denken. Er selbst hat schon lange erkannt, dass er nicht unfehlbar ist, sondern auch menschliche Schwächen hat, die ihm von anderen aber nicht zugestanden werden. Als er stirbt bezweifelt man zuerst, dass die Leiche eines Heiligen verwesen könnte. Als es dann doch passiert, tun sich schon die ersten Zweifel an seiner Heiligkeit auf. Ob man sich denn geirrt hätte. Was nicht sein darf, kann nicht sein. Und doch ist es geschehen.

Aljosha, der Gütige, der voller Selbstzweifel steckt, und sich bemüht, alles richtig zu machen, und doch nie zufrieden ist, eifert in genau dem Tun und Handeln seinem Starez Sosima nach. Und Aljosha ist es, dessen Leiche nach seinem Tod nicht verwest. Er hat unbewusst dem Sosima seinen sehnlichsten Wunsch erfüllt.

Den absoluten Gegensatz zu dem jüngsten Sohn von Fjodor stellt sein Adoptivsohn dar. Fjodor soll einmal eine junge Frau bedrängt haben. Eine arme Irre, die in Lumpen gehüllt durch die Straßen des Dorfes läuft und nichts anderes tut, als zu schreien und aufzufallen. Sie ist in dem Ort nichts besonderes, es scheint fast so, als würde sie sogar von den Bewohnern geschützt. Jeder ist gut zu ihr, jeder steckt ihr einige Rubel zu und spendet nette Worte. Aus dem Zusammentreffen von ihr und Fjodor soll angeblich der uneheliche Sohn Smerdiakov entstanden sein, was sich in dem Buch weder als wahr noch als falsch herausstellt. Er verkörpert in dem Buch das Schlechte. Selbst seinen Selbstmord, den er nach dem Mord an Fjodor, seinem Vater (?), begeht, macht er eine Inszenierung. Er ist mehr gelangweilt, als dass er seine Selbsttötung aus Reue oder Unrechtsbewusstsein begeht. Nein, er plant geschickt. Kann nun Dmitrij nicht mehr seine Unschuld beweisen und wird zur Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt. Iwan wird von Fieberträumen in den Wahnsinn getrieben, weil Iwan Serdiakov kurz vor dessen Tod in einem Gespräch gesagt habe, dass in dieser aufgeklärten Zeit, in der es weder einen Gott noch irgendwelches Recht neben den Gesetzen gäbe, alles erlaubt sei. Denn Gesetze kann man ohne weiteres brechen.

Es hat jeden eigenes Schicksal ereilt, man kann darüber streiten, was gerecht und ungerecht ist, was in die Schublade gehört und was nicht, was man in seitenlangen Abhandlungen Dostojewskijs Meinungen nachlesen kann. Man kann sich aus dem Roman sein eigenes Urteil bilden. In einer Scheinwelt, in der jede Figur, die darin vorkommt, die Konsequenzen für alles trägt, was passiert.

Doch eines steht fest: Selbst wenn man alle Möglichkeiten in Betracht zieht, so viele Dinge in einem Buch vereint, ohne, dass die Geschichte auch nur einen inhaltlichen Fehler aufweist, nicht abschweift, nicht langweilig wird, dann kann das nur aus der Feder von Fjodor Michailowitsch Dostojewski stammen.
rk
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Artikel vom 24. Mai 2002

Die Brüder Karamasow.

von Fjodor Michailowitsch Dostojewski. Dtv.
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