C6 MAGAZIN
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DVD 15.5.2006

No Children Available

Das Kind als Ware: "Holy Lola" erzählt die Geschichte eines französischen Paares, dass keine Kinder bekommen kann, dessen Kinderwunsch jedoch so groß ist, dass sie nach Kambodscha reisen, um dort eines zu adoptieren. Ein Film mit vielen interessanten Ansätzen, der jedoch gegen Ende ein wenig zäh gerät.
Geraldine und Pierre (Isabelle Carré und Jacques Gamblin) mit Lola
© PARAMOUNT PICTURES
Geraldine und Pierre (Isabelle Carré und Jacques Gamblin) mit Lola
Ein leeres Haus inmitten eines wunderschönen Bergpanoramas irgendwo in Frankreich. Die Kamera durchstreift das Haus während der Anfangscredits, nimmt auf einmal ein an der Decke hängendes Mobile in den Fokus, das auf seltsame Weise das Haus zu dominieren scheint. Der erste Eindruck stimmt, dabei ist es nicht das Mobile selbst, dass den Haushalt dominiert sondern eher die fehlende Wiege darunter. Das Haus gehört nämlich dem Arzt Pierre und seiner Frau Geraldine, die uns auf ihrem Anrufbeantworter darüber informieren, dass sie bis Ende des Jahres nicht zu erreichen sind. Und hier kommt wieder die fehlende Wiege ins Spiel. Die beiden wünschen sich nämlich ein Kind – unbedingt. Da gibt es nur das Problem, das Geraldine keines bekommen kann und so elf Jahre des Wartens und Versuchens vergeblich waren. Also reisen die beiden nach Kambodscha, um dort ein Kind zu adoptieren. Das ist jedoch nicht so einfach, die Behördengänge entpuppen sich als undurchdringlicher Wirrwarr und in jedem Waisenhaus, das sie aufsuchen, hören sie nur den Satz, dass derzeit, "kein Kind verfügbar" sei. Das liegt, so die einhellige Meinung auch der anderen französischen Paare, die in ihrem Hotel untergebracht sind, an den Amerikanern, die, so wird kolportiert, bis zu 20.000. Dollar für ein Adoptivkind auf den Tisch legen. Doch trotzdem die nervliche Belastung immer größer wird, suchen die beiden weiter und haben letztendlich Erfolg, sie finden Holy Lola. Aber selbst jetzt ist die Adoption noch ungewiss, müssen Formulare ausgefüllt, "Spenden" erbracht werden, um alle Formalia zu erfüllen und Lola mit nach Frankreich nehmen zu können. Und so warten, hoffen und bangen die beiden bis zuletzt, ob ihr Traum vom Kind wahr werden kann oder in letzter Minute scheitert.

Momente des ersten zarten Glücks: Geraldine und Pierre mit Lola im Waisenhaus
© PARAMOUNT PICTURES
Momente des ersten zarten Glücks: Geraldine und Pierre mit Lola im Waisenhaus
"Holy Lola" erzählt die Geschichte eines Paares, dessen Kinderwunsch so sehr zum Zentrum des Lebens geworden ist, dass er alles andere bestimmt. Umgeben von anderen französischen Paaren im Mikrokosmos eines Hotels mitten in Phnom Penh gibt es nur dieses eine Thema, dieses eine Ziel, dass das Handeln so sehr bestimmt, dass den Paaren die Perversität ihres Handelns gar nicht bewusst zu sein scheint. Sie merken nicht, dass sie sich auf das Spiel der kambodschanischen Offiziellen einlassen und Kinder als Ware behandeln, die eben "verfügbar" ist oder nicht und für die eben vierstellige Dollarbeträge, als Gebühren oder Spenden getarnt, zu entrichten sind. Regie-Altmeister Bertrand Tavernier treibt das auf die Spitze, wenn er eine Mutter in dem Hotel darüber klagen lässt, dass sie sich eine Entscheidung zwischen zwei Kindern nicht zutraut, weil sie Angst hat, dass ihre Wahl ihrem Mann dann nicht gefallen wird. Mehr muss man über die Verhältnisse eigentlich nicht sagen.

Seltsame Doppelmoral

Tavernier traut sich dabei, einen schonungslosen Blick auf diese Menschen zu werfen. Es werden mehr oder weniger gut situierte Paare gezeigt, die sich einen mehrmonatigen Aufenthalt in Kambodscha und die zu zahlenden "Spenden" und "Gebühren" leisten können. Ihre Motive sind dabei aber durchweg egoistisch. Es geht ihnen nicht darum, Kambodscha, das immer noch unter den Auswirkungen der Pol Pot Diktatur leidet, zu helfen, sondern immer nur um den eigenen Kinderwunsch. Dabei entwickeln sie eine recht interessante Doppelmoral, denn während sie ihr Verhalten für völlig akzeptabel halten, verurteilen sie die Amerikaner, weil diese zusätzlich zu den ohnehin fälligen Gebühren auch noch Schmiergeld zahlen.

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Dabei ist eine Schwäche sicherlich, dass die Protagonisten seltsam unverortet bleiben, man erfährt über Pierres Beruf und die Kinderlosigkeit hinaus nicht viel über die beiden, was über die Geschehnisse in Kambodscha hinausginge. Und selbst diese werden nie ganz klar, so bleibt bis zum Schluss rätselhaft, welche Formulare da jetzt auszufüllen, welche Behörden aufzusuchen und welche Gebühren zu entrichten sind. Das hinterlässt den Zuschauer dann doch ein wenig ratlos, verdeutlicht aber andererseits sehr gut die Undurchdringlichkeit des bürokratischen Dschungels, den es in Kambodscha anscheinend gibt.

Tavernier zeigt die Beziehung zwischen Pierre und Geraldine sowie deren Kindersuche ausgiebig und in allen möglichen Facetten und lässt sich dabei Zeit, zu viel Zeit vielleicht. Er macht das Warten und die Unsicherheit für den Zuschauer erfahrbar, übertreibt es damit aber ein wenig. So wird das gegen Ende immer zäher, der Film mit über 120 Minuten ein wenig überlang und die Gefahr, dass der Zuschauer mit zunehmender Filmdauer abschaltet, nicht am Ball bleibt, ist hoch.

"Holy Lola" erscheint als Doppel-DVD. Am Interessantesten ist hier sicher das über 70 Minuten lange Making-Of, viel mehr bietet das Bonusmaterial jedoch nicht. Außer einem Trailer und einem Interview mit Regisseur Tavernier ist es das auch schon gewesen. Das ist nicht außergewöhnlich, aber okay. Schade ist jedoch, dass es keinen Audiokommentar des Regisseurs gibt.


Holy Lola
Frankreich, 2004
Regie: Bertrand Tavernier
Mit: Jacques Gamblin, Isabelle Carré, Bruno Putzulu, Lara Guirao u.a.
125 Min.
FSK: 0


DVD-Infos:

Technische Daten: Sprachen: Deutsch, Französich; Untertitel: Deutsch, Französich, Dolby Digtal 5.1

Bonusmaterial: Making-Of (71 Minuten), Interview mit Bertrand Tarvernier, Trailer

VÖ: 18.5.06 bei Paramount Pictures
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Artikel vom 15. Mai 2006

Weiterführende Links
- Die offizielle Seite zum Film: http://www.holylola.de/
- Der IMDB-Eintrag

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